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Die erste Trainingsebene

Motivation mit Gegenständen

Motivation mit Futter

Spannung in Ruhe

Die zweite Trainingsebene

Die Grundstellung und die Konzentrationsphase

Das Vorsitzen

Das Voran

Die dritte Trainingsebene

Einen Schritt nach vorne, anhalten

Abbau der Motivationshilfen

Wendungen an Ort

Das Schrittschema für die Freifolge

Die vierte Trainingsebene

Freifolge, die ersten Schritte

Das Halten des Apportiergegenstandes

Setzen, Legen

Die Ausbildung zur Prüfungsreife

Freifolge

Das Voran

Das Apportieren

Setzen, Legen

Hürde und Schrägwand

Sitz aus der Bewegung

Das Steh

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Die erste Trainingsebene

Übungsziele:

• Der Hundeführer lernt, den Hund mit Gegenständen zu motivieren.

• Der Hundeführer lernt, den Hund mit Futter zu motivieren.

• Der Hund lernt die Spannung in Ruhe.

Auf der ersten Ebene soll sich der Hundeführer die wichtigsten Grundlagen für den Hundesport erarbeiten: die Motivation! Mit Spiel und Futter soll der Hund motiviert werden können, er soll sich freuen, mit seinem Hundeführer etwas zu unternehmen. Damit erarbeitet sich der Hundeführer die Werkzeuge, mit denen er den Hund in Zukunft führen und bestätigen kann.

Unter Spannung in Ruhe verstehe ich, dass man den Hund im Zustand der Spannung einen Moment verharren lassen kann. Er soll fähig sein, sein Triebziel zu fixieren und erst auf das Kommando des Hundeführers hin darauf loszugehen. Er kann losrasen, um spielen oder fressen zu können. Spannung in Ruhe zu erreichen, ist eine Frage der Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer. Ohne Spannung in Ruhe artet jedes Spiel in ein wildes, unkontrolliertes »Gehopse« aus. Bringt es ein Hundeführer nicht fertig, dass sein Hund die Spannung in Ruhe hält, fehlen ihm die elementarsten Voraussetzungen für den Hundesport, nämlich Konsequenz, Reaktion und Einfühlungsvermögen.

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Motivation mit Gegenständen

Zum Thema Spielen mit dem Hund und zur Motivation mit Gegenständen existieren hervorragende Bücher und viele Kurse sind darüber gehalten worden. Ich möchte hier daher keinen mehrseitigen Exkurs in die theoretischen und praktischen Grundlagen des Spielens geben. Was wir für den Hundesport brauchen, sind schlussendlich Spiele aus dem Kreis des Beutemachens. Die Vorbereitungen für den richtigen Spielaufbau beginnen wir mit dem Welpen. Wir machen es uns zunutze, dass Wurfgeschwister ein unermüdlich scheinendes Bedürfnis zum Balgen haben. Nach der Übernahme des Welpen sind wir gefordert, das Spielen mit dem Welpen fortzuführen. Mit viel Feingefühl und Einfühlungs­vermögen übernehmen wir die Rolle der Geschwister und bauen in der ersten Phase das Vertrauen zum Welpen auf. Das Spiel findet zwischen Welpe und Mensch statt und ist manchmal eine schmerzhafte Erfahrung. Hundemilchzähne sind für unsere Haut spitze Waffen, aber da muss man durch. Wer es nicht fertig bringt, mit seinem Welpen zu balgen und sich mit ihm auf dem Boden zu wälzen, verpasst die einmalige Gelegenheit, ein von Vertrauen geprägtes Verhältnis zu seinem Hund aufzubauen.
Erst später kann versucht werden, das Spiel mit Beutegegenständen aufzubauen. Grundsätzlich ist der Hund ein Jäger. Alles, was sich von ihm fortbewegt, kann für ihn Beute sein. Es dürfte also kein Problem sein, den Hund zu veranlassen, ein Stofftuch zu verfolgen. Auch sollte ein spielerischer Kampf um die Beute möglich sein. Aber hier ist der Besitzer wieder gefordert, Einfühlungsvermögen und Feingefühl walten zu lassen. Der Hund interessiert sich für die lebende Beute, er wird ihr nachrennen, sie packen und tot schütteln. Man hüte sich vor dem Schema: »So wird gespielt«!
Ich möchte im Zeitalter der allgemeinen Spieleuphorie davor warnen, sich völlig unkritisch jedem Spiel zu widmen. Man sollte Rassen, die sehr beuteorientiert sind, nicht bis zum »Gehtnichtmehr« auf weggeworfene Beute konditionieren. Schnell ist es geschehen, dass das Beuteverhalten nicht nur dem Spielzeug gilt; eventuell wird ein wegrennendes Kind zur Ersatzbeute.
Für spätere Apportierübungen ist es ebenfalls nicht unbedingt förderlich, dem Hund beizubringen, weggeworfenen Holzstöcken hinterher zu rennen, diese zurückzubringen und dem Hundeführer vor die Füße zu werfen. Ebenso kann es kontraproduktiv sein, dem Hund nachzurennen, wenn er mit einem Schuh oder einem anderem Spielzeug wegrennt. Auch werden das Halten des Gegenstandes und das freudige Zurückkommen des Hundes nicht gefördert, indem man dem Hund alles aus dem Fang reißt, was er in unsere Nähe bringt, selbst wenn es für uns noch so unappetitlich ist.
Es gibt sie noch zuhauf, die Beispiele, wie man dem Hund mit bester Absicht lustige Sachen beibringt und nachher abgewöhnen muss. Spielen mit dem Hund ist eine tolle Sache. Spiel fördert die Beziehung und motiviert unseren Partner. Aber das Spiel muss wohl überlegt sein, zielgerichtet angelegt und dosiert durchgeführt werden. Dabei ist der Hundeführer die Beutewurfmaschine, sondern das Spiel findet zwischen Hund und Hundeführer statt. Dieser Bestimmt die Art und die Regeln, den Anfang und das Ende des Spiels.
 

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Motivation mit Futter

Ich persönlich kann für die einzelnen Elemente in der Unterordnung meinen Hund AM ANFANG DER AUSBILDUNG mit einem Gegenstand nicht gezielt führen. Es gibt viele Hundeführer, die das perfekt beherrschen. Mir liegt es viel mehr, den Hund mit Futter dorthin zu lenken, wo ich ihn haben will. Damit er sich lenken lässt, muss er Spannung auf dieses machen. Er muss nach dem Futter drängen, es erobern wollen.

Gottfried Dildei zeigt dies in seinem Video »Schutzhund, Unterordnung, Teil l« sehr anschaulich. Man bringt den Hund dazu, seinen Hundeführer zu treiben. Man hält dem Hund eine Hand voll Futter vor die Nase und geht mit ganz kleinen Schritten und sehr langsam rückwärts. Der Hund soll mit der Schnauze an die Hand stoßen und drücken, dann erhält er einen Brocken. Je intensiver er anstößt, die Hand und damit den Hundeführer vor sich her treibt, umso häufiger erhält er Futter. Je zurückhaltender der Hund ist, umso weniger Futter gibt es. Der Hund soll also nicht gefüttert werden, er soll vielmehr lernen, dass er durch Treiben das Füttern auslöst.

Die Motivation mit Gegenständen und die mit Futter sind die zwei grundlegenden Elemente, die der Hundeführer auf der ersten Ebene lernt. Ohne Motivation kann es keine Spannung geben, ohne Spannung keinen Hundesport. Aber Präzision und Lernfortschritte im Hundesport kann es auch nicht geben, wenn der Hund übermotiviert ist und damit überdreht. Gottfried Dildei hat den Begriff der qualitativ guten Spannung geprägt, das heißt, der Hund ist motiviert, aber er bleibt - ohne Hektik - klar im Kopf. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass Schäferhunde innerhalb kurzer Zeit mit Gegenständen total übermotiviert wurden. Diese Hunde sind dann derart übererregt, dass man sie mental nicht mehr erreichen kann. Ihr ganzes Streben gilt dem Gegenstand oder dem Futter, etwas anderes nehmen sie nicht mehr auf. Dann sind wir so weit wie mit einem unmotivierbaren Hund. Den einen kann man für nichts motivieren, den anderen nur für sein Triebziel - aufnahmefähig für irgendwelche Lernschritte sind beide nicht mehr. Diesen Zustand gilt es unbedingt zu vermeiden, sonst verbauen wir uns und unserem Hund einen Weg in die Ausbildung!

 

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Spannung in Ruhe

Die beste Spannung auf Motivationsgegenstände und Futter nützt dem Hundeführer wenig, wenn sein Hund keine Spannung in Ruhe aufbauen kann. Der Hund soll verharren können, gleich in welcher Stellung. In dieser Ruhephase soll er dann die Spannung aufbauen und auf Kommando auf sein Triebziel losrasen. Ohne diese grundlegende Disziplin wird jede Übungsstunde in ein fröhliches, aber zielloses »Gehopse« ausarten.
Spannung in Ruhe lässt sich nur aufbauen, wenn der Hund motiviert ist. Die Spannung auf ein Triebziel ist die Voraussetzung. Mit Gefühl und Konsequenz soll der Hundeführer den Hund verharren lassen. Ob der Hund sitzt, liegt oder aus dem Spiel heraus in stehender Position zum Verharren gebracht wird, ist absolut egal. Im Anfangsstadium der Ausbildung sollte man den Hund nur kurz verharren lassen. Mit Handzeichen und wiederholter verbaler Aufforderung zum Verharren wird der Hund in seiner Position gehalten. Die ganze Körperhaltung des Hundeführers soll Spannung ausdrücken. Verharrt der Hund, wird er wieder freigegeben und kann auf sein Triebziel losrasen. Ist der Hund in qualitativ guter Spannung und damit für Neues aufnahmefähig, wird er schnell lernen, dass er nach dem Verharren sein Triebziel erreichen kann. Verharren und Spannung machen werden somit zum ersten Lernschritt, der über die Motivation erreicht wird.
Bevor diese drei grundlegenden Ziele: Motivation mit Gegenständen, Treiben nach Futter und Spannung in Ruhe, nicht erreicht sind, hat es gar keinen Sinn, mit irgendwelchen anderen Übungen anzufangen. Es ist meine Absicht, den Hund so weit zu bringen, dass er eine Unterordnung nicht absolvieren muss, sondern dass er sie ausführen will. Und er wird wollen, wenn er mit Futter motiviert wird und weiß, dass am Schluss gespielt wird. Erst mit der Zeit wird beim Hund ein gleitender Übergang zum freudigen Arbeiten mit seinem Hundeführer stattfinden. Aber am Anfang braucht man Futter und Spiel als Werkzeuge, mit denen man den Hund konfliktfrei führen und in einem guten Spannungszustand halten kann. Spannung erzeugen und Spannung aufrechterhalten, das sind die Grundlagen jeder Ausbildung.

 

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Die zweite Trainingsebene

Das Werkzeug Motivation ist auf der ersten Ebene gelernt worden. Jetzt kann man dazu übergehen, die Spannung in Ruhe und die Motivation zu verbinden und damit die Konzentrationsphase aufzubauen. Hier beginnt die präzise Arbeit in der Unterordnung. Der Hundeführer lernt den Hund in die Grundstellung zu bringen. Dort soll dieser verharren und die Spannung aufbauen. Es kann nicht genug betont werden, wie wichtig die korrekte Grundstellung ist. Jeder Arbeitsschritt während der Unterordnung beginnt und endet mit der Grundstellung, es ist die zentrale Position. Es gilt, sie sauber und geduldig aufzubauen. Schon früh soll der Hund vorsichtig und konfliktfrei an das korrekte Vorsitzen gewöhnt werden. Die gelernte Motivation und die Spannung in Ruhe werden dem Team dabei helfen.

Die gleichen Werkzeuge können verwendet werden, um mit dem Voran zu beginnen. Der Hund sitzt in der Grundstellung und sieht einen Helfer mit dem Triebziel, Futter oder Spielgegenstand, wegrennen. Der Hundeführer hält ihn im Zustand der Spannung zurück und erst auf Kommando geht es los. Nebenbei lernt der Hund, Spannung in schnelle Bewegung umzusetzen und sich vom Hundeführer zu lösen.
 

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Die Grundstellung und die Konzentrationsphase

 

Die Grundstellung wird sehr häufig unterschätzt und es wird ihr nicht die nötige Beachtung geschenkt. Der Hund wird bei Fuß gesetzt, und los geht es mit irgendeiner Übung! Die Grundstellung ist der Anfang und Schluss eines jeden Übungsteils. Deshalb muss sie sehr sorgsam und über eine längere Zeitspanne aufgebaut werden. Nicht die Stellung als solche ist schwierig, sondern dass der Hund lernt, in dieser Stellung die Spannung auf den Hundeführer aufzu­bauen. An einer Prüfung soll die Grundstellung immer wieder der sichere Hafen sein, in dem sich Hund und Hundeführer erneut aufbauen, die Konzentration wieder finden, vorgefallene Fehler vergessen und sich auf den Anfang des nächsten Übungsteils vorbereiten können.

Deshalb verwende ich Wochen darauf, dem Hund Spannung in dieser Stellung beizubringen. Bevor er sich trotz Ablenkung nicht eine halbe Minute auf mich konzentrieren kann, mache ich keinen Schritt. Man halte sich immer vor Augen, dass Unterordnung zu laufen heißt: In der Grundstellung Spannung aufbauen und diese in die Bewegung mit­nehmen und halten. Denn, was nicht aufgebaut ist, kann nicht gehalten werden.

Die Werkzeuge zum Erreichen des Übungsziels Grundstellung und Konzentrationsphase sind erarbeitet worden. Die Arbeit auf der zweiten Ebene kann beginnen. Der Hundeführer lässt seinen Hund verharren, nimmt einen Futterbrocken in die linke Hand, wendet sich dem Hund zu, nimmt Augenkontakt auf und streckt die Hand dem Hund zu.
Dabei soll der Hundeführer am Anfang der Übung in der Verlängerung der Körperachse des Hundes stehen. Damit erreicht er, dass der Hund sich in gerader Linie auf die Hand zubewegen kann. Nachdem der Hund die Spannung in Ruhe aufgebaut hat, ruft ihn der Hundeführer ab und wartet, bis der Hund die ausgestreckte Hand erreicht. Hier beginnt das auf der ersten Ebene gelernte Treiben des Hundes. Der Hundeführer nimmt die Bewegung des Hundes ab, indem er die Hand bis an den Oberschenkel und dann nach oben zieht. Der Hund folgt der Hand, bis er die Sitzstellung erreicht hat. Der ganze Vorgang wird von der Trainingsgruppe gut beobachtet und dem Hundeführer dabei geholfen, den richtigen Bewegungsablauf zu finden. Jeder Hund lässt sich anders führen. Die Hand sollte am Anfang langsam bewegt werden, bis der richtige Bewegungsablauf gefunden ist und somit der Hund problemlos in die korrekte Stellung gebracht wird.

Hat es der Hundeführer endlich geschafft, den Hund sauber in die Grundstellung zu manövrieren, beginnt der Aufbau der Spannung. In schneller Reihenfolge wird anfangs das Futter mit der linken Hand aus dem Mund des Hundeführers geholt und dem Hund zugesteckt. Dabei soll der Hund ruhig sitzen. In Erwartung des Futters lernt der Hund, seinen Blick auf das Gesicht des Führers zu richten. Genau hier ist wieder die ganze Trainingsgruppe gefordert. Sie sollte den Hundeführer bei dieser Übung genau beobachten. Wichtig ist, dass:

• der Hundeführer von Anfang an aufrecht und gerade steht und sich nicht dem Hund zuwendet,

• der Hund sich immer an die gleiche Sicht des Hundeführers gewöhnt,

• wenn sich der Hundeführer in der Grundstellung dem Hund zu wendet, dieser im Folgen frei die Ansicht des Hundeführers suchen und schräg vorlaufen wird,

• man berücksichtigt, dass kleinen Hunden durch vorstehende Gilettaschen, breite Jacken oder Bauchtaschen die Sicht auf den Hundeführer versperrt wird und sie dadurch zum Vorsitzen neigen.

 

Sehr hilfreich für die korrekte Körperhaltung des Hundeführers sind hohe Spiegel. Alte Schranktüren mit montierten Spiegeln lassen sich leicht auftreiben. Stellt sich der Hundeführer an der richtigen Stelle vor dem Spiegel auf und ruft seinen Hund ab, kann er den gesamten nun folgenden Bewegungsablauf im Spiegel beobachten, ohne sich dem Hund dabei zuzuwenden. Der Hund wird in die richtige Position gebracht, und der Hundeführer steht von Anfang aufrecht und gerade. Zusätzlich kann der Hundeführer das Geschehen neben sich überblicken, ohne seine Körperhaltung ändern zu müssen. Wie schon erwähnt, beginnt der Hundeführer nun in schneller Folge das Futter aus seinem Mund zu verabreichen. Geht er später dazu über, das Futter zu spucken, wird gelegentlich ein Wurststück auf den Boden fallen. Ich betrachte das nicht als Tragödie, lasse den Hund die Wurst suchen und manövriere ihn in die Grundstellung zurück. Dass der Futterbrocken auf den Boden fällt, ist insofern nicht tragisch, da ich damit den Hund für den vorangegangenen, kurzen Moment der Spannung belohnt habe. Das Übungsziel ist ja nicht Wurstfangen, sondern Spannung aufzubauen.

Bei sehr untalentierten Fängern reicht man das Futter aber besser mit der Hand. Man vergesse nie, dass noch kein Weltmeister im Futterfangen einfach so geboren wurde! Futterfangen will gelernt sein. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Will man aber das Futterfangen üben, muss es nicht zwingend in der Grundstellung geübt werden; es gibt genügend Gelegenheiten im Alltag, eine Futterfanglektion durchzuführen.

Meine Hunde sind begeisterte Früchtefresser. Esse ich Obst, warten sie geduldig, bis ich ihnen ihren Teil des Apfels, der Birne oder einen Apfelsinenschnitz zuwerfe. Nutzen Sie solche wunderbaren Gelegenheiten, Ihrem Hund das Fangen beizubringen. Allerdings benötigt der Hund eine gewisse motorische Reife, um das fallende Futterstück überhaupt fangen zu können. Sobald er den Fang nicht erst aufmacht, wenn der Brocken auf dem Boden liegt, ist die Zeit gekommen, mit dem Futterfangspiel zu beginnen.

Mit der Zeit dehnt man den Abstand zwischen dem Verabreichen der einzelnen Futterbrocken aus, aber nur so lange, wie der Hund die Spannung halten kann. Wenn Sie ihn mit der Hand füttern, sollten Sie dies abwechselnd mit der linken und der rechten Hand tun. So vermeiden Sie, dass sich der Hund auf eine der beiden Hände fixiert.

Noch einige Worte zum Spucken der Futterbrocken:
Ich will erreichen, dass der Hund seine ganze Spannung gezielt auf einen Punkt richtet, am besten auf das Gesicht des Hundeführers. Damit habe ich jederzeit die Möglichkeit Augenkontakt aufzunehmen, wie das später im Vorsitzen  beschrieben wird. Der Hund sieht an meinem Oberkörper entlang zum Gesicht hoch und registriert somit jede noch so kleine Drehung des Oberkörpers. Dies wird bei den Wendungen in der Freifolge und vielen anderen Übungen von entscheidender Bedeutung sein. Deshalb ist es mir so wichtig, dass mein Hund dem Futterdepot in meinem Mund seine Aufmerksamkeit schenkt. Manchmal holt meine Hand den Futterbrocken, manchmal spucke ich das Futter. Immer aber ist es mein Mund aus dem das Futter kommt. In dieser Phase lernt der Hundeführer, seinem Hund auch verbal mitzuteilen, was er gut und was er schlecht findet. Macht der Hund zwischen zwei Futterbrocken weiterhin Spannung auf den Hundeführer, muss ihn dieser loben, kurz und in angenehmer Stimmlage. Dann folgt wieder ein Futterbrocken. Schaut der Hund weg, was wir im Spiegel ja beobachten können, sollte dies mit mahnender Stimme unterbunden werden. Schaut der Hund den Hundeführer wieder an, wird er sofort gelobt und mit Futter bestätigt.

Das Erlernen dieser unmittelbaren Kommunikation zwischen Hundeführer und Hund ist für die weitere, erfolgreiche Arbeit im Hundesport von entscheidender Bedeutung. Das Unterbinden von unerwünschten Handlungen des Hundes muss blitzartig, in Bruchteilen von Sekunden erfolgen. Korrigiert sich der Hund, muss dies sofort verbal bestätigt werden. Zeit zum Füttern oder Spielen bleibt noch genügend. Nur wenn wir sofort und verbal reagieren, kann der Hund verstehen, was wir von ihm verlangen und daraus lernen. Der Spiegel wird uns helfen, den entscheidenden Augenblick für die Reaktion abzupassen. Hundeführer sollten sich ruhig Wochen Zeit lassen, diese grundlegende Kommunikation zu lernen und sie ihrem Hund zu vermitteln. Um die Übung abzuschließen gehe ich so vor: Aus einem Moment der Spannung lobe ich meinen Hund und mache gleichzeitig einen Schritt rückwärts. Das ist für meinen Hund das Zeichen zum Abbruch der Arbeit und zum Beginn des Spiels. Das Wesentliche ist für mich dabei der Schritt rückwärts. Dieser muss in keiner Sparte unserer Prüfungsordnung gezeigt werden. Wenn ich den Hund lobe und das Spiel mit einem Schritt vorwärts beginne, könnte sich in der Prüfung leicht ein Missverständnis ergeben: Ich will losmarschieren, der Hund findet es aber an der Zeit zu spielen und schon haben wir den »Salat«. Den Hund daran zu gewöhnen, dass die Spielphase mit einem Schritt rückwärts und gleichzeitigem Lob beginnt, ist also eine reine Vorsichtsmaßnahme - man soll das Risiko minimieren, wo es geht!

Wenn die Pausen zwischen den einzelnen Futterstücken schon etwas länger geworden sind, beginnt man vorsichtig, Ablenkungen einzubauen: Der Hundeführer gibt nach einer Pause wieder in kürzeren Abständen Futter, gleichzeitig klatscht jemand in die Hände. Natürlich wird sich der Hund ablenken lassen, es ist aber am Hundeführer, die Aufmerksamkeit seines Hundes wieder auf sich zu lenken und zu halten. Hier leistet der Spiegel wieder hervorragende Dienste, man kann sofort reagieren. Meistens genügt ein kurzes Anrufen des Hundes und an
schließendes Verabreichen von noch mehr Futter. Nach einigen Versuchen sollte der Hund die Umgebung nicht mehr spannender finden als seinen Hundeführer. Das wäre der zu erwartende Normalfall. Was aber, wenn es nicht so läuft? Das Wichtigste ist, dass der Hundeführer dann die Nerven nicht verliert und die Übung in der Gruppe analysiert und offen diskutiert wird:

• Hat man zu früh mit der Ablenkung begonnen?
• Ist vielleicht der Hund noch zu jung?
• Lässt sich der Hund schon genügend mit Futter motivieren oder hat man zu schnell etwas von ihm verlangt, das er
  noch gar nicht leisten
kann?
• Stimmt die Rangordnung, ist wirklich der Hundeführer der Chef im Team? Bestimmt tatsächlich er, was läuft?

Hat der Hund die psychische Reife und macht er genügend Spannung auf Futter, schlage ich vor, die Übung ohne Ablenkung weitere zwei, drei Wochen fortzusetzen und erst dann einen neuen Versuch zu starten. Geht das immer noch nicht, legt man lieber eine Pause ein, spielt mit dem Hund und macht ihn noch gieriger auf das Futter. Bringen es Hund und Hundeführer allerdings gar nicht fertig, die Spannung zu halten, hat es überhaupt keinen Sinn weiterzumachen. Wer den elementaren Spannungsaufbau nicht schafft, sollte einsehen, dass entweder er selber oder sein Hund für den Hundesport nicht geeignet sind. Im Interesse des Hundes und der Beziehung zwischen Hund und Hundeführer würde ich persönlich mit der Unterordnung aufhören. Was man nicht mit Spannung erreichen kann, wird man versucht sein, mit Zwang zu erreichen. Das ist ethisch nicht vertretbar. Man kann es auch sonst ganz toll haben mit seinem Hund. Wenn die elementaren Voraussetzungen fehlen, muss nicht um jeden Preis eine Unterordnung erzwungen werden.
Ich betone noch einmal, dass man sich für diesen grundlegenden Übungsteil unbedingt genug Zeit nehmen muss, denn die Konzentrationsphase muss perfekt klappen. Es ist der Grundstein der ganzen zukünftigen Arbeit in der Unterordnung. Selbstverständlich muss der Hund fähig sein, die Spannung auch unter Ablenkung beizubehalten. Klatschen, sich bewegende Personen, Hunde, die an der Leine vorbeigeführt werden, dürfen ihn nicht ablenken. Seine Konzentration muss ganz dem Hundeführer gelten.

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Das Vorsitzen


Zur gleichen Zeit wie mit dem Voran, soll man mit dem Vorsitzen beginnen. Die Voraussetzungen für den Anfang sind die gleichen: Der Hund muss Spannung in Ruhe machen können. Das Abrufen und Vorsitzen in der IPO sowie das Apportieren sind wichtige Elemente einer sauber vorgeführten Unterordnung. Das tadellos ausgeführte Vorsitzen setzt eine korrekte Technik des Hundes in der Schlussphase voraus. Das andere Problem ist unser Druck auf den Hund im Vorsitzen. Versetzen wir uns in die Lage unseres Vierbeiners. Da sitzt er, und vor ihm steht - und das ganz nahe - sein Meuteführer und starrt ihm wenn möglich noch in die Augen. Diese Stellung kommt dem Hund unangenehm bekannt vor: Da gab es doch immer wieder Schelte oder vielleicht bei anderen Begebenheiten auch mal Züchtigungen. Immer war da der Chef nahe, weit oben und hat gestarrt. Jetzt soll es aber auf einmal eine lustige Übung sein. Der kluge Hund wird solche Situationen mit Vorsicht und Zurückhaltung angehen. Verheerend für das Vorsitzen ist es, den Hund von Anfang an am Halsband zu packen und in die richtige Stellung zu zwingen. Seine Zurückhaltung wird in Meideverhalten umschlagen und dieses wird er kaum je wieder ablegen. Ich beginne diesen Übungsteil, indem ich dem Hund zeige, dass das Sitzen vor dem Hundeführer eine lustige und in keiner Weise bedrohliche Angelegenheit ist. Also darf ich ihn nicht unter Druck setzen. Dazu knie ich nieder und manövriere meinen Hund mit Futter vor mich hin in die Sitzstellung. Dabei lobe und füttere ich ihn, das Belohnungsspiel folgt am Schluss. Sehr schnell wird der Hund freudig mitmachen und ich kann mich etwas erheben, indem ich mich zum Beispiel auf einen Stuhl setze. Auch hier folgt der Aufbau dem Schema Schritt für Schritt. In einer völlig harmlosen Situation lernt der Hund die Stellung kennen und sich dabei wohl fühlen. Setze ich mich auf den Stuhl, bin ich für ihn von der Erscheinung her schon etwas bedrohlicher. Problemlos dem Futter folgend, findet sich der Hund vor einem in seiner Stellung leicht veränderten Hundeführer wieder, und wird sofort wieder gelobt und gefüttert. So kann er das veränderte Bild des Hundeführers konfliktlos verinnerlichen. Nun arbeite ich mich langsam in die Höhe, bis ich in voller Körpergröße vor meinem Tier stehe. Wie selbstverständlich wird er dies akzeptieren, gespannt auf den nächsten Futterbrocken warten und die Spannung auf mich halten. Damit ist die Grundlage für weitere Aufbauschritte gelegt.
 

Die Endstellung wird vom Hund als angenehm empfunden. Jetzt kann ich anfangen, ihn in diese Endstellung abzurufen und an der Technik des Hereinrutschens in die Endstellung zu arbeiten. Der umgekehrte Weg, ihn also zuerst abzurufen und ihn dann erst ins Vorsitzen zu bringen, wird nie funktionieren. Wieso soll der Hund freudig und schnell eine Stellung einnehmen, die er nicht kennt und die er als bedrohlich empfindet?

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Rufe ich den Hund zum Vorsitzen ab, soll er nicht auf mich zurasen und mich mit der Nase anstupsen, danach stehen bleiben und sich erst dann setzen. Dadurch wird er sicher in zu großem Abstand vor mir sitzen. Ich will dem Hund beibringen, im letzten Moment die Hinterhand zu senken und in die Schlussstellung hineinzurutschen. Am einfachsten lernbar ist dieser Schritt ganz aus der Nähe. Ich lasse den Hund in der Sitzstellung warten, gehe einen Schritt zurück und rufe ihn in das Vorsitzen ab. So muss er die Hinterhand nicht ganz hochnehmen, die Vorderläufe gehen nach vorne und hinten findet das erwünschte Nachrutschen statt. Vielleicht kommt er von selbst in das bekannte Vorsitzen, vielleicht braucht es noch etwas Hilfe mit der Hand. Kennt der Hund das Vorsitzen als angenehm, wird es nicht lange dauern, bis er freudig nachrutscht.

Im nächsten Aufbauschritt vergrößere ich die Distanz auf 20 Meter und mehr, der Hund soll richtig Tempo machen können. Da er gelernt hat, was Spannung in Ruhe ist, wird er freudig auf das Abrufen warten und dann auf mich zurasen.
Entscheidend ist nun, wie ich ihn in die Endstellung führe. Hierbei nehme ich wieder das Futter zu Hilfe. Keinesfalls darf ich einfach das Futter irgendwo am Körper halten; er wird mich unerwünscht anstupsen und nicht in die Stellung hineinrutschen. Ich muss das Futter in der Hand daher so halten, dass ich den Hund vorne und tief abhole (der Hund hält den Kopf tief), dann zu mir her ziehe und erst im letzten Moment die Hand nach oben führe. Meine Hand soll genau auf der richtigen Höhe die Bewegung abbrechen. Ziehe ich zu hoch, wird der Hund an mir hochspringen; halte ich zu tief an, wird es ihn zusammenstauchen.
Nach vielen erfolgreichen Übungen mit allen Hilfen und viel Futter, beginne ich mit dem Abbau der Hilfe. Kommt der Hund angerannt, gehen beide Hände immer später vom Körper zum Hund und bleiben schlussendlich ganz am Körper.

Video Clip

Der Abbau der Hilfen ist Gefühlssache,
bei dem einem Hund geht es schneller, beim dem anderen muss sich der Hundeführer mehr einfallen lassen. Sitzt der Hund schräg oder zu weit weg, manövriert man ihn in die richtige Stellung. Der Hundeführer lässt dabei die Füße an Ort und Stelle.
Was er nie machen soll, ist
eine Korrektur, verbunden mit einem Schritt zurück. Die Gefahr ist groß, dass der Hund die Übung dann folgendermaßen versteht: »Ich soll mich mit etwas Abstand vor den Hundeführer setzen, dieser macht dann einen Schritt zurück und ich folge in die korrekte Frontstellung«.
So wird unser Hund nie begreifen können, wieso der Chef dabei nie zufrieden ist, denn es wurde doch die ganze Zeit so geübt! Wenn man damit beginnt, den Hund auf Distanz abzurufen, sollte man sich gleich möglichst weit entfernen. Bis man den angestrebten Ort erreicht hat, vergeht einige Zeit. Vom Hund wird derweil erwartet, dass er mit Spannung in Ruhe verharrt. Wie viel Spannung der Hund tatsächlich aufbaut, kann der Hundeführer nicht sehen, er dreht ihm ja beim Weglaufen den Rücken zu. Beobachtet die Trainingsgruppe, dass der Hund die Spannung abbaut, muss sofort etwas unternommen wer
den. Der Hund hat ja gelernt, dass es erst wieder spannend wird, wenn sich sein Hundeführer ihm zuwendet. Natürlich baut er die Spannung dann wieder auf, nur ist die Gefahr zu groß, dass er vorher zu viel davon verliert.
Man kann dem leicht vorbeugen, indem der Hundeführer den
Hund warten lässt und sich wie gewohnt entfernt. Nach wenigen Schritten dreht er sich blitzartig um, holt das Spielzeug aus der Tasche, lobt den Hund und wirft gleichzeitig das Spielzeug hinter den Hund. Dieser darf es holen und mit seinem Hundeführer spielen. Auf diese Weise lernt der Hund, dass beim Weglaufen des Hundeführers etwas Interessantes passieren könnte, und er wird den Hundeführer genau beobachten und die Spannung aufrechterhalten.

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Das Voran

 

Folgendes passierte mir vor vielen Jahren auf einer Meisterschaft. Das Wetter war fürchterlich, es schneite und regnete abwechselnd. Vor allem der Wind setzte uns allen zu. Da stand ich nun auf der Unterordnungswiese und schickte meinen Hund ins Voran. Das Einzige, was zu sehen war, waren neben der Wiese an einem Viehzaun angebrachte gelbe Plastikteile. Davon magisch angezogen, verließ mein Hund die Gerade, der er folgen sollte, und schnüffelte sich von Plastikteil zu Plastikteil. Das war der Moment, in dem ich mir geschworen habe, das Voran nie mehr mit einem Tellerchen und dem darauf liegenden Futter aufzubauen.

Bei dieser Methode wurde das Tellerchen irgendwo mitten in eine Wiese gesteckt. Der Hund wurde ins Voran geschickt und nach wenigen Versuchen lernte er, die Wiese mit den Augen abzusuchen. Es war mir eigentlich schon immer ein Rätsel gewesen, wieso der Hund in die von mir gedachte Richtung rennen sollte.

Erst der Ratschlag eines Kollegen brachte mich weiter. Dieser meinte, ich solle doch den Hund lehren, dass das Triebziel (Futter oder Spielzeug) am Geländeübergang liege. Und damit hatte er Recht. Es ist für den Hund einfach zu lernen, dass er auf dem Gelände, auf dem er startet, keine Bestätigung findet. Erst wenn er den Geländeübergang erreicht, ist etwas zu erwarten. Dabei muss er nicht links und rechts schauen, sondern so schnell wie möglich an den Geländeübergang gelangen. Hunde, die voller Spannung losrasen, rennen meistens auch geradeaus!

Seither lege ich in der Aufbauphase den Futtertopf/Spielzeug immer auf die Grenze Wiese-Acker, Wiese-Weg oder ans Ende des Übungsplatzes. Dadurch hat der Hund gar keinen Grund, zögernd von mir wegzurennen und nach links und rechts zu schauen, ob irgendwo irgendwas liegt. Auf das Kommando »Voran« gilt es für ihn den Platz so schnell wie möglich zu überqueren, denn erst am Ende findet er sein Futter/Spielzeug. Sobald der Hund fähig ist, Spannung in Ruhe aufzubauen, kann man mit dem Voran beginnen. Man manövriert den Hund in die Grundstellung und lässt ihn warten. Ein Trainingskollege rennt mit dem Futtertopf/Spielzeug weg und legt ihn am Geländeübergang ab. Mit »Voran« schickt man den Hund aus der Grundstellung.

Es empfiehlt sich, für längere Zeit immer am gleichen Ort zu üben. Dadurch wird der Ablauf gefestigt und die Erwartung des Hundes immer größer. Die Distanz kann man nach zwei, drei Übungen auf über 50 Meter steigern; ist der Platz länger, nutzt man die volle Länge aus. Viele Trainingsstunden später kann man den Topf irgendwo anders deponieren, ohne dass der Hund ihn sieht. Es sollte dann aber jemand versteckt bereitstehen, um das Futter wegzunehmen, sollte der Hund wider Erwarten nicht zielstrebig nach vorne rasen. Erst wenn diese Übung tadellos sitzt, ist das Übungsziel des Voran auf dieser zweiten Ebene erreicht.
 

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Die dritte Trainingsebene


Nun ist es an der Zeit, dass der Hund lernt, die Spannung in die Bewegung mitzunehmen. Entscheidend dabei ist, dass seinerseits der Hundeführer lernt, die Motivationshilfen abzubauen, mit denen er den Hund in den ersten Schritt mitnimmt.
Wieso aber soll der Hundeführer nur einen Schritt gehen? Er könnte
doch auch mehrere machen, die Konzentration dazu ist doch da? Sie erinnern sich bestimmt, dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben, den Hund nie zu überfordern. Aus Prinzip versuche ich, einem Hund eine Stellung möglichst lange und konfliktfrei beizubringen, wie wir das ja schon bei der Grundstellung praktiziert haben. Wenn der Hund das erste Mal mit einem Schritt dem Futter folgen soll, wird ihn das verwir­ren. Bevor sich die Verwirrung aber in Überforderung auswächst, bringe ich ihn in die vertraute Grundstellung. Die kennt er, in ihr fühlt er sich wohl, da ist die Welt in Ordnung. Rücksichtnahme ist der beste Weg, dem Hund etwas beizubringen, denn nur wenn das Team Hundeführer-Hund kleine Schritte macht, wird es in der Unterordnung weiterkommen. Wichtig für das Absolvieren der dritten Trainingsebene ist es allerdings, dass der Hundeführer seinem Hund die Hilfen gibt, die dieser braucht. Deshalb muss der Trockenübung Freifolge, also ohne Hund, die nötige Beachtung geschenkt werden. Hierbei lernt der Hundeführer ein Schrittschema, das es ihm erlaubt, das Angehen, die Wendungen und das Anhalten ohne Hund immer auf die gleiche Art und Weise zu absolvieren. Gelingt ihm das nicht, wird er es mit dem Hund an seiner Seite nie schaffen. Der Hund kann nicht voraussehen, wann eine Wendung kommt, oder wann der Hundeführer anhält. Er findet damit in seinem Rudelführer nicht die Stütze, die er sucht.

 

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Einen Schritt nach vorne, anhalten

 

 

Jetzt sind die Übungsziele der zweiten Ebene erreicht. Der Hund kennt die Grundstellung. Über Wochen hat er gelernt Spannung auf mich zu machen und lässt sich nicht mehr ablenken. Nun ist es an der Zeit, dass er lernt, die Spannung in die Bewegung mitzunehmen und zu halten. Es wird ihn völlig verwirren, wenn er mir den ersten Schritt folgen soll. Um die Verwirrung nicht in Überforderung ausarten zu lassen, belasse ich es bei einem Schritt. Man darf nie vergessen, dass in der Unterordnung hauptsächlich der Hundeführer ausgebildet wird. Ein Anfänger hat mehr als genug damit zu tun, die Übungsziele einen Schritt nach vorne und den Abbau der Hilfen zu bewältigen. Mehrere Schritte wür­den ihn auf dem jetzigen Ausbildungsstand total überfordern. Wie schon oft geübt, stelle ich mich mit dem Hund in der Grundstellung vor dem Spiegel auf. In dieser Stellung fühlt sich mein Hund wohl. Er weiß, was er zu tun hat. In der linken Hand halte ich einen Futterbrocken und beobachte meinen Hund im Spiegel. Hält er konzentriert Spannung, gebe ich das Kommando »Fuß!«. Dann gehe ich mit dem rechten Bein einen schnellen, aber kurzen Schritt nach vorne. Gleich zu Beginn der Bewegung halte ich dem Hund die linke Hand vor die Nase und ziehe ihn in die Bewegung mit. Während ich das linke Bein etwas langsamer nachziehe, führe ich die Hand schnell nach oben, der Hund setzt sich wieder in die Grundstellung. Es folgt, als wenn nichts geschehen wäre, eine Konzentrationsphase.

Natürlich hatte mein Hund keine Ahnung, was das Kommando »Fuß« bedeuten soll. Mit Hilfe des Werkzeugs Motivation mit Futter war es mir aber möglich, ihn dorthin zu manövrieren, wo ich ihn haben wollte. Er hat die Spannung auf mich in der Grundstellung aufgebaut, ist dann dem Futter gefolgt und ehe er sich versah, habe ich ihn wieder in die Grundstellung gebracht, die ihm ja schon vertraut ist. So benutze ich eine bekannte Stellung am Anfang und am Schluss der Übung, um ihm etwas Neues beizubringen.

Obwohl wir vor dem Spiegel üben, sind wir in dieser Phase auf die Beobachtungen der Trainingsgruppe angewiesen. Aus der Gruppe sollte einer neben, ein anderer hinter dem Hundeführer stehen. Zieht der Hundeführer die Hand zu weit nach vorne, zu langsam nach oben, sitzt der Hund schräg oder ist der Schritt zu lang, dann muss dies sofort besprochen und korrigiert werden. Der Bewegungsablauf muss von Anfang an präzise und korrekt einstudiert werden.

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Bei dieser Übung muss die Schrittlänge kurz sein. Der Hund darf dabei
nicht ganz aufstehen. Er soll von Grundstellung zu Grundstellung nachrutschen. Dieses Hineinrutschen in die Sitzposition wurde beim Vorsitzen schon geübt. Auch hier soll der Hund lernen, in der Endphase des Anhaltens sofort wieder zu sitzen und nicht zuerst anzuhalten und dann erst das Hinterteil zu senken. Macht der Hundeführer nämlich einen zu großen Schritt, muss der Hund aufstehen; bevor er jedoch halbwegs steht, hält der Hundeführer wieder an. Da er die Hand vor der Nase hat, bleibt auch der Hund stehen und sitzt erst dann ab. So wird er nie lernen, blitzartig ins Sitzen zu rutschen, sobald der Hundeführer das linke Bein für das Anhalten etwas langsamer anzieht.
Der
kurze Schritt und das schnelle Hochziehen der linken Hand hingegen lehren den Hund von Anfang an, die Sitzposition schnell einzunehmen. Nach einigen Übungsstunden sollte der Hundeführer den Schritt nach vorne und die Führung des Hundes gelernt haben. Der Hund war vielleicht die ersten paar Male etwas verwirrt, folgte dann aber dem Futter und nahm wieder die Sitzstellung ein. Sein Hundeführer hingegen hatte mehr zu tun: die richtige Schrittlänge beachten, den Hund führen, die Hand schnell nach oben bis zur richtigen Höhe ziehen, den Oberkörper gerade halten, nicht auf den Hund, sondern in den Spiegel schauen, und vieles andere mehr.


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Abbau der Motivationshilfen

 

Da die Prüfungsordnung verlangt, dass der Hund die Unterordnung ohne Hilfen des Hundeführers zeigt, folgt nun der entscheidende Teil der ganzen Übung, nämlich der Abbau der Hilfen mit der linken Hand. Jeder Hund wird sich an der linken Hand, die das Futter hält, orientieren, kein Hundeführer kommt also um den Abbau dieser Hilfe herum. Ich bin der Meinung, dass man nicht nach ein, zwei Trainingseinheiten schon damit beginnen sollte, nach dem Motto: »Je früher, umso geringer ist der Aufwand!«. Diese Auffassung ist meines Erachtens falsch. Der Hund sollte Zeit haben, sich mit voller Hilfe an die Anforderungen des neuen Lernschrittes zu gewöhnen. Hund und Hundeführer sollen Gelegenheit haben, den Bewegungsablauf kennen zu lernen. Mit dem Abbau folgt zwangsläufig eine konfliktgeladene Phase; eine Phase, in welcher der Hundeführer auf das Äußerste gefordert wird. Man kann diesen Schritt nicht umgehen, aber wir sind es dem Hund schuldig, ihm zuerst ein solides Fundament zu geben. Erst dann kann er verarbeiten, dass die Hilfen abgebaut werden. Im anderen Fall wartet unser Feind, die Überforderung, nur darauf, den Niedergang der Ausbildung einzuläuten.

Wenn ich mit dem Abbau beginne, leite ich nach dem Kommando : »Fuß!« den Bewegungsablauf ein: Ich bewege das rechte Bein vor, führe aber die linke Hand nicht sofort vor die Nase des Hundes. Habe ich Glück, folgt der Hund meiner Bewegung. Sowie er nachzurutschen beginnt, lobe ich ihn, ziehe erst dann blitzartig die Hand nach vorne und beende die Übung, indem ich den Hund in die Grundstellung bringe. Habe ich Pech, bleibt der Hund sitzen und wartet auf meine linke Hand.

Nun beginnt das große Spiel: Wie bringe ich meinen Hund dazu, meiner Körperbewegung zu folgen?

Der Schritt nach vorne mit voller Hilfe verlief bisher nach dem Kochbuchrezept: »Man nehme einen Hund, der sich mit Futter motivieren lässt und die Grundstellung kennt, bringe dem Hundeführer den richtigen Bewegungsablauf bei, und der Hund folgt dem Futter von Grundstellung zu Grundstellung«.
 

Für den folgenden Hilfeabbau gibt es aber kein Kochbuchrezept. Der Hundeführer muss lernen, je nach Situation zu reagieren und das ganze Repertoire der Kommunikation auszuschöpfen. Leitet er die Bewegung ein, und bewegt sich der Hund nur minimal, muss er ihn sofort loben und ihm damit zu verstehen geben, dass er genau das vom Hund will. Gleichzeitig kommt die linke Hand und zieht den Hund in die Grundstellung. Wann und wie viel Lob, und in welchem Moment die Hand kommt, muss der Hundeführer in Bruchteilen von Sekunden entscheiden. Kein Übungsleiter, niemand kann ihm sagen: »Jetzt muss du dies oder das machen«. Die Trainingsgruppe kann beobachten, man kann  Fehler besprechen, man kann die Übung wiederholen, aber im alles entscheidenden Moment ist jeder Hundeführer auf sich selbst gestellt.
Bei der Ausbildung von Anfängern habe ich immer wieder beobachtet,
dass sich in diesem Moment zeigt, welcher Hundeführer es im ersten Lebensjahr seines Hundes geschafft hat, mit ihm eine Verständigungsbasis herzustellen. Bringt es ein Hundeführer fertig, einem Hund in seinem ersten Lebensjahr zu vermitteln, was er von ihm will und was nicht, wird er den Hilfeabbau problemlos schaffen. Dieser Hundeführer hat gelernt, schnell zu reagieren, unerwünschte Handlungen verbal zu unterbinden, erwünschtes Verhalten sofort zu bestätigen. Die Kommunikation wurde schon früh eingespielt, jetzt kann er die Früchte im Hundesport ernten.

Es lohnt sich, einige Schritte mit voller, dann einige mit etwas reduzierter Hilfe zu gehen. Sieht man, dass der Hund zu begreifen beginnt, was von ihm verlangt wird, baut man die Hilfe immer mehr ab, das verbale Lob kann ausbleiben. Geht es an einem Trainingstag plötzlich schlechter, gibt man sofort wieder mehr Hilfen, lobt und hilft seinem Hund über das Problem hinweg.

Früher oder später, mit viel Geduld, sollte es jedes Team schaffen, dass der Hund den Bewegungen des Hundeführers folgt und dann selbstständig wieder in die Grundposition rutscht. Es erfordert viel Arbeit, aber hierbei lernt der Hundeführer etwas Entscheidendes für den Hundesport: den Abbau der Motivationshilfen. Die ganze Ausbildung über wird er diesem Problem begegnen. Er bringt seinem Hund mit Motivationshilfen etwas bei, um diese dann wieder abzubauen, wenn der Hund die Bewegungsabläufe intus hat.

 

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Wendungen an Ort

 

Die Wendungen an Ort sind ein weiterer, kleiner Schritt in der Vorbereitung für die Freifolge. In der Grundstellung hat sich der Hund gewöhnt, uns immer von der gleichen Seite anzuschauen. Nun hoffen wir, dass er diese Ansicht unseres Oberkörpers auch im Freifolgen suchen wird. Mit dem Schritt nach vorne ist die Grundlage dafür gelegt worden. Über die ganze Übung Freifolgen wird sich der Hund an der Bewegung des Oberkörpers orientieren, auch in der Wendung. Deshalb machen wir ihn jetzt mit der Wendung an Ort bekannt. Ich lasse mir und dem Hund Zeit mit dieser Übung, bis der Schritt nach vorne ohne Hilfe gemeistert wird.

Dann beginne ich mit 90°-Wendun
gen nach rechts, später folgen 180°-Wendungen. Die Wendung nach links übe ich bewusst erst später ein. Ich stelle mich mit dem Hund in der Grundstellung auf und beobachte mein Tier im Spiegel. Macht er eine gute Spannung, gebe ich das Kommando, lasse meine Füße für einen kurzen Moment unbewegt und drehe den Oberkörper ein wenig nach rechts. Dann führe ich die linke Hand mit dem Futter vor die Nase des Hundes und drehe gleichzeitig die Füße an Ort und Stelle um 90° und ziehe dabei den Hund mit. Im richtigen Moment hebe ich meine Hand hoch und bringe den Hund wieder in die Grundstellung. Auch hierbei ist es wichtig, dass der Hund um den Hundeführer herumrutscht und nicht aufsteht und sich wieder hinsetzt. Deshalb darf man keinen Ausfallschritt nach rechts machen. Die Füße bleiben bei
der Drehung am Ort.
Ziel der Übung ist es, dem Hund klar zu machen,
dass wenn sich der Oberkörper dreht, nicht in Marschrichtung weitergegangen wird, sondern eine Wendung folgt.
 

Da der Hund das Abbauen der Hilfen schon kennt, kann man nach den ersten Versuchen diesmal vergleichsweise früh damit beginnen. Mit der Wendung dreht sich der Hundeführer weg vom hilfreichen Spiegel. Auf diesem Stand der Ausbildung sollte der Hundeführer aber gelernt haben, sich auf seine Trainingsgruppe zu verlassen. Er darf auf keinen Fall in und nach der Wendung den Oberkörper dem Hund zuwenden.

 

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Das Schrittschema für die Freifolge

 

Ein perfekt vorgeführtes Freifolgen ist eine wunderschön anzusehende Übung. Der Hund orientiert sich am harmonischen Bewegungsablauf des Hundeführers, folgt ihm blitzartig in die Wendungen und nimmt schnell und korrekt die Grundstellung ein. Dieses Niveau des Freifolgen kann nur erreichen, wer seinem Hund von Anfang an eine klare Orientierung gibt. Das Angehen, die Schrittfolgen vor, in und nach den Wendungen müssen immer gleich sein. Damit werden die Wendungen und das Anhalten für den Hund voraussehbar.

Wer diese Voraussehbarkeit bezweifelt, sollte folgendes Experiment machen. Man stelle sich wie für die Grundstellung auf, und ein Trainingskollege nimmt die Stelle des Hundes ein. Der Hundeführer gibt das Kommando »Fuß!« und marschiert los. Irgendwann hält er wie in der Unterordnung an, ohne verbales Kommando und ohne zu zögern. Der Trainingskollege, der den Part des Hundes übernommen hat, soll
wie der Hund das Anhalten »seines Hundeführers« erleben und versuchen, zeitgleich mit ihm anzuhalten.

Die ersten zwei, drei Mal wird der »Hund« völlig überrascht werden und noch ein, zwei Schritte weiter laufen, bevor er reagiert und anhält. Hat der Hundeführer einen harmonischen Bewegungsablauf und hält er immer gleich an, wird sich sein »Hund« mit jedem Versuch verbessern. Spätestens nach vier-, fünfmaliger Wiederholung spürt er das Anhalten im Voraus und hält auf gleicher Höhe mit dem Hundeführer an. Dabei erlebt der »Hund«, was für ein hohes Maß an Konzentration es dazu braucht. Nur hat das noch kein Vierbeiner seinem Hundeführer mitteilen können!
 

Im Gegensatz zu unseren Hunden, ist bei uns das Bewusstsein für die Körpersprache nicht stark ausgeprägt. Jeder, der diese Übung macht, ist erstaunt, dass er das Anhalten voraussieht, dass er spürt, dass es kommt. Das ist für mich der Beweis, dass unsere Körperhaltung und unser Bewegungsablauf für unseren Vierbeiner die entscheidende Ori­entierungshilfe beim Freifolgen sind.
 

Bevor man mit dem Hund das Freifolgen übt, sollte jeder Hundeführer das Schema, das auf der ersten Prüfungsstufe verlangt wird, ohne seinen Hund fehlerfrei beherrschen. Welche Wendung kommt wann? Wo wird angehalten? Wie ist die Schrittfolge in den Wendungen? Es gibt keine allgemein gültige, absolut richtige Schrittfolge, die eine saubere Wendung garantiert. Jeder soll sie so machen, wie sie ihm liegt.
Aber, und das ist absolut wichtig, er soll sie immer gleich machen. Der
ganze Ablauf muss so lange geübt werden, bis er automatisiert, ohne nachzudenken, ohne zu zögern abgespult werden kann. Wer das ohne Hund nicht fertig bringt, schafft es mit Hund garantiert nicht. Wer irgendwie über den Platz stolpert, einmal so, und dann anders die Wendung einleitet, ist für seinen Hund keine Stütze. Er führt seinen Hund nicht und gibt ihm die Chance des Voraussehens nicht.

Ich selber leite alle Wendungen, außer das Links um, mit dem rechten Bein ein. Geht das rechte Bein nach vorne, geht die linke Schulter mit.
Dreht das rechte Bein, drehen die linke Schulter und damit der Oberkörper harmonisch in die Wendung. Der Hund orientiert sich am Oberkörper und macht die Bewegung mit. Für mich stimmt dieser Bewe­gungsablauf, es ist mein System, es passt mir. Ich kann mich problemlos an mein Schema halten.
Aber: Jeder soll sein eigenes Schema finden. Noch einige Gedanken zum Angehen und Anhalten. Beim Angehen bewege ich zuerst das linke Bein. Damit erhält der Hund die Gelegenheit, sich zu erheben und dann sofort mitzukommen. Gemäß Prüfungsordnung soll er mit der Schulter auf Kniehöhe des Hundeführers sein. Starte ich wie beschrieben, sieht der Anfang optisch besser aus.

Hält man nun auf dem rechten Bein an und zieht das linke nach oder
umgekehrt? Ich habe schon die tollsten Dispute darüber gehört. Nimmt der Hund die Grundstellung perfekt ein, sitzt er mit der Schulter auf Kniehöhe des Hundeführers, so ist es doch völlig egal, auf welchem Bein der Hundeführer anhält und welches er nachzieht. Der Erfolg ist wichtig.

Ich persönlich halte auf dem rechten Bein an und ziehe das linke nach. Mir scheint es, dass die linke Körperhälfte dem Hund besser zur Orientierung dient. Halte ich auf dem rechten Bein an und ziehe das linke unmerklich langsamer an, spürt das der Hund unmittelbar. Das sind natürlich meine Überlegungen, meinen Hund konnte ich zu seinem Empfinden der Situation leider noch nicht befragen. Beim Übungsteil Einen Schritt nach vorne, auf der dritten Ebene, habe ich den kurzen Schritt nach vorne mit dem rechten Bein begonnen. Ich wollte aus erwähnten Gründen nicht, dass mein Hund vollständig aufsteht, also waren zwei Schritte und das Anhalten auf dem linken Bein nicht drin.
Der Hund lernt von Anfang an diesen Bewegungsablauf, wieso soll ich das später ändern? Halte ich später nach einigen Schritten auf dem rechten Bein an, sind in diesem Moment die linke Schulter und der linke Arm vorne. Beim Anziehen des linken Beines geht der Arm völlig harmonisch nach hinten.
In der Aufbauphase des Folgen frei habe ich damit die Möglichkeit, ganz elegant und dem Bewegungsablauf entsprechend, dem Hund mit der linken Hand eine Hilfe für das Sitzen zu geben. Ich halte also aus rein ausbildungstechnischen Gründen, die sich aus dem Aufbau ergeben, auf dem rechten Bein an und ziehe das linke nach, nicht aus irgendwelchen tieferen, psychologischen Überlegungen.

 

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Die vierte Trainingsebene

 

Das Setzen, Legen ist eine einfache Übung. Es verleitet, sehr früh damit anzufangen. Nur hat der Hundeführer dann noch keine Ahnung vom Abbau der Motivationshilfen und das Team ist noch nicht eingespielt. Daher ist es besser, das Erlernen dieses Arbeitsschrittes auf später zu verschieben. Für die Freifolge und das Apportieren wird man genug Zeit brauchen. Sind auch diese Übungsziele erreicht, steht der Weg für die erste Prüfung offen. Alle anderen Arbeitsschritte der Unterordnung können jetzt problemlos erarbeitet werden. Die solide Grundlage dafür konnte ohne Überforderung des Hundeführers gelernt werden und damit bleibt die Arbeitsfreude des Hundes erhalten.

 

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Freifolge, die ersten Schritte

 

Alle Vorübungen für die Freifolge sind auf der dritten Ebene erarbeitet worden. Jetzt, auf der vierten Ebene, kann sich der Hundeführer der Freifolge selber zuwenden. Jetzt wird nicht mehr das Nachrutschen von Schritt zu Schritt vom Hund verlangt, nun soll er dem Hundeführer folgen. Um dieses verwirrend Neue nicht in Überforderung ausarten zu lassen, begnüge ich mich am Anfang mit drei Schritten. Kaum ist der Hund aufgestanden und mir gefolgt, halte ich an und bringe ihn in die Grundstellung. Es ist die gleiche Bewegung der Hand, die ich auf der dritten Ebene gelernt habe, mit der ich den Hund zum Sitzen bringe. Anschließend wird gespielt und dann beginnt das Ganze von vorne. Nach wenigen Sequenzen lasse ich diese Übung für den ersten Tag bleiben, die erste Bekanntschaft mit der Freifolge ist gemacht. Für jeden Hundeführer sind die ersten Schritte mit seinem Hund eine aufregende Sache. Langsam baue ich die Übung aus, von drei auf fünf Schritte. Es besteht aber kein Grund, wenn jetzt Dynamik in den Ablauf kommt, den Oberkörper zu wenden und zu beobachten, ob und wie der Hund folgt. Das ist Sache der Trainingsgruppe. Der Hundeführer marschiert seine ersten Schritte los, und zwar zügig. Zögerliche Bewegungen lassen die Spannung beim Hund sofort sinken, nur Dynamik hält ihn aufmerksam. Das gilt auch für später, der Bewegungsablauf des Hundeführers soll energisch und zielgerichtet nach vorne sein. Daran wird sich der Hund orientieren und seine in der Grundstellung aufgebaute Spannung problemlos halten.

Das Wichtigste, das auf der vierten Ebene in der Freifolge erarbeitet werden muss, ist die Haltung der Arme und des Oberkörpers. Dafür gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Jeder Hundeführer muss für sich die richtige Haltung finden. Der eine wird die Arme hängen lassen, der andere muss sie anwinkeln. Entscheidend ist. dass sich der Hundeführer wohl fühlt und die Haltung für den Hund stimmt. Er soll seinem Hundeführer mit der Schulter auf Höhe des Knies folgen können, die seitliche Distanz zum Hundeführer soll dabei nicht zu groß sein. Wieder ist der Hundeführer ganz auf die Trainingsgruppe angewiesen. Nur über die Beobachtung der Kollegen wird es für den Hundeführer möglich, die für seinen Hund optimale Haltung einzunehmen.

Ist einmal eine Erfolg versprechende Haltung gefunden, muss der Hundeführer Konstanz und Spannung in seine Bewegung bringen. Die Arme sollen immer gleich bewegt werden, die Spannung soll bis in die Fingerspitzen gehen. Spannung und Konstanz der Bewegung werden für den Hund zum Anhaltspunkt, er wird seine Bewegung derjenigen des Hundeführers anpassen. Ich kann nicht genug betonen, dass es die Haltung des Hundeführers, sein Tempo der Bewegung sowie seine ausgestrahlte Spannung sind, die den Hund die richtige Stellung neben dem Hundeführer sowie einen angenehmen Bewegungsablauf finden lassen.

Daran ist auf der vierten Ebene zu arbeiten. Der Hundeführer hat an sich zu arbeiten und nicht zu versuchen, durch Zug an Lendenleinen oder Reißen am Halsband seinen Hund in eine Stellung zu zwingen, welche diesem nicht zusagen kann.

Ein leicht schräges Laufen oder ein etwas zu großer Abstand zum Hundeführer sind am Anfang zu vernachlässigen. Das Gesamtbild ist entscheidend, es soll Erfolg versprechend aussehen. An den Details kann später gearbeitet werden, oder sie verlieren sich mit zunehmender Routine von selbst.

 

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Das Halten des Apportiergegenstandes

 

Für mich ist das Apportieren eine der komplexesten Arbeiten, die wir unseren Hunden beibringen. Wie viele Fehler gemacht werden können, sieht man am besten bei Prüfungen. Wie oft kann man Retriever beobachten, denen das in den Genen liegende Apportieren von den Hundeführern abgewöhnt wurde.

 

Das Vorsitzen und wie ich dem Hund das Halten des Gegenstandes beibringe, sind die entscheidenden Punkte für ein konfliktfrei vorgeführtes Apportieren. Wie wird es normalerweise gemacht? Der Hund wird hingesetzt, der Hundeführer baut sich vor dem Hund auf, gibt oder drückt ihm den Gegenstand in den Fang und wartet bis der Hund ihn ruhig hält. Dabei starrt er den Hund an und wiederholt, dabei immer nervöser werdend: »Ruhig halten! Ruhig halten!« Ist der Hundeführer noch von der ganz ungeschickten Sorte, wird er seinem Hund den Fang zudrücken. Und wie sieht das aus der Sicht des Hundes aus? Was im Hund abläuft, wenn wir uns vor ihm aufbauen, kann man sich eigentlich denken. Dazu kommt noch, dass der Chef so ein unförmiges Ding, den Apportiergegenstand, hervornimmt, dann das unverständliche Wort »Bring« ausspricht und zudem ganz offensichtlich sehr gespannt bis aufgeregt ist. Das wäre schon Druck und Konflikt genug zum Davonrennen, nein, jetzt wird das Ding in den Fang gestopft und da gelassen. Der Hund hat keine Ahnung, was er damit anfangen soll. Als Übersprungshandlung beginnt er zu knautschen. Das gefällt dem Chef nicht. Aber was diesem eigentlich gefällt, kann der Hund nicht wissen. Dazu werden immer irgendwelche für ihn unbekannte Worte gesprochen, und der Chef wird immer nervöser. Weil der Hund schließlich überhaupt nicht mehr weiß, was er eigentlich soll, kann er nichts mehr aufnehmen. Dann kommt endlich das Ding aus dem Fang und weil es so schön war, wird die ganze Übung wiederholt. Von psychischem Gleichgewicht und Wohlbefinden ist bei dieser Vorgehensweise keine Rede.

 

Bevor der Hund nicht perfekt, konfliktfrei und somit freudig vorsitzt, hat das Apportieren im Ausbildungsprogramm nichts verloren. Für mich beginnt das Apportieren mit dem Vorsitzen, also der Schlussstellung. Erst damit ist die elementarste Voraussetzung für