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Die erste Trainingsebene
Motivation mit Gegenständen
Motivation mit Futter
Spannung in Ruhe
Die zweite Trainingsebene
Die
Grundstellung und die Konzentrationsphase
Das Vorsitzen
Das Voran
Die dritte Trainingsebene
Einen Schritt nach
vorne, anhalten
Abbau der Motivationshilfen
Wendungen an Ort
Das Schrittschema für
die Freifolge
Die vierte Trainingsebene
Freifolge, die ersten
Schritte
Das Halten des
Apportiergegenstandes
Setzen, Legen
Die Ausbildung zur
Prüfungsreife
Freifolge
Das Voran
Das Apportieren
Setzen, Legen
Hürde und Schrägwand
Sitz aus der Bewegung
Das Steh

Die erste Trainingsebene
Übungsziele:
• Der Hundeführer lernt, den Hund mit
Gegenständen zu
motivieren.
• Der Hundeführer lernt, den Hund mit Futter zu motivieren.
• Der Hund lernt die Spannung in Ruhe.
Auf der ersten Ebene soll sich der
Hundeführer die wichtigsten Grundlagen für den Hundesport erarbeiten: die
Motivation! Mit Spiel und Futter soll der Hund motiviert werden können, er soll sich
freuen, mit seinem
Hundeführer etwas zu unternehmen. Damit erarbeitet sich der
Hundeführer die Werkzeuge, mit denen
er den Hund in Zukunft führen
und bestätigen kann.
Unter Spannung in Ruhe verstehe ich,
dass man den Hund im Zustand der Spannung einen Moment verharren lassen
kann. Er soll fähig sein,
sein Triebziel zu fixieren und erst auf das Kommando des Hundeführers
hin darauf loszugehen.
Er kann losrasen, um spielen oder fressen zu
können. Spannung in Ruhe zu
erreichen, ist eine Frage der Kommunikation zwischen Hund und
Hundeführer. Ohne Spannung in Ruhe artet jedes Spiel in ein wildes,
unkontrolliertes »Gehopse« aus. Bringt es ein Hundeführer nicht
fertig, dass sein Hund die Spannung in Ruhe hält, fehlen ihm die
elementarsten Voraussetzungen für den Hundesport,
nämlich Konsequenz, Reaktion und
Einfühlungsvermögen.

Motivation mit Gegenständen
Zum Thema Spielen mit dem Hund und zur
Motivation mit Gegenständen
existieren hervorragende Bücher und viele Kurse sind darüber
gehalten worden. Ich möchte hier daher keinen mehrseitigen Exkurs in die
theoretischen und praktischen Grundlagen des Spielens geben. Was
wir für den Hundesport brauchen, sind schlussendlich Spiele aus dem
Kreis des Beutemachens. Die Vorbereitungen für den richtigen Spielaufbau
beginnen wir mit dem Welpen. Wir machen es uns zunutze, dass
Wurfgeschwister ein unermüdlich
scheinendes Bedürfnis zum Balgen
haben. Nach der Übernahme des Welpen
sind wir gefordert, das Spielen
mit dem Welpen fortzuführen. Mit viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen
übernehmen wir die Rolle der Geschwister und bauen in der
ersten Phase das Vertrauen zum
Welpen auf. Das Spiel findet zwischen Welpe und Mensch statt und
ist manchmal eine schmerzhafte Erfahrung. Hundemilchzähne sind für
unsere Haut spitze Waffen, aber da
muss man durch. Wer es nicht fertig bringt, mit seinem Welpen zu balgen
und sich mit ihm auf dem Boden zu wälzen, verpasst die einmalige
Gelegenheit, ein von Vertrauen geprägtes Verhältnis zu seinem Hund
aufzubauen.
Erst später kann versucht werden, das Spiel mit
Beutegegenständen aufzubauen. Grundsätzlich ist der Hund ein Jäger.
Alles, was sich von ihm fortbewegt, kann für ihn Beute sein. Es dürfte
also kein Problem sein, den Hund zu veranlassen, ein Stofftuch zu
verfolgen. Auch sollte ein spielerischer Kampf um die Beute möglich
sein. Aber hier ist der Besitzer
wieder gefordert, Einfühlungsvermögen und Feingefühl walten zu
lassen. Der Hund interessiert sich für die lebende Beute, er wird ihr
nachrennen, sie packen und tot schütteln. Man hüte sich vor dem
Schema: »So wird
gespielt«!
Ich möchte im Zeitalter der allgemeinen
Spieleuphorie davor warnen, sich völlig unkritisch jedem Spiel zu
widmen. Man sollte Rassen, die sehr beuteorientiert sind, nicht bis zum
»Gehtnichtmehr« auf weggeworfene
Beute konditionieren. Schnell ist es geschehen, dass das Beuteverhalten
nicht nur dem Spielzeug gilt; eventuell wird ein wegrennendes
Kind zur Ersatzbeute.
Für spätere Apportierübungen ist es
ebenfalls nicht unbedingt förderlich, dem Hund beizubringen,
weggeworfenen Holzstöcken hinterher zu rennen, diese zurückzubringen und
dem Hundeführer vor die Füße zu werfen. Ebenso kann es kontraproduktiv
sein, dem Hund nachzurennen, wenn er
mit einem Schuh oder einem anderem Spielzeug wegrennt. Auch
werden das Halten des Gegenstandes und das freudige Zurückkommen des
Hundes nicht gefördert, indem man dem Hund alles aus dem Fang reißt, was
er in unsere Nähe bringt, selbst wenn es
für uns noch so
unappetitlich ist.
Es gibt sie noch zuhauf, die Beispiele, wie
man dem Hund mit bester Absicht
lustige Sachen beibringt und nachher abgewöhnen muss. Spielen
mit dem Hund ist eine tolle Sache. Spiel fördert die Beziehung und
motiviert unseren Partner.
Aber das Spiel muss wohl überlegt sein, zielgerichtet
angelegt und dosiert durchgeführt werden. Dabei ist der Hundeführer die
Beutewurfmaschine, sondern das Spiel findet zwischen Hund und
Hundeführer statt. Dieser Bestimmt die Art und die Regeln, den Anfang
und das Ende des Spiels.

Motivation mit Futter
Ich persönlich kann für die einzelnen Elemente in der
Unterordnung meinen Hund AM ANFANG
DER AUSBILDUNG mit einem Gegenstand nicht gezielt führen. Es gibt viele
Hundeführer, die das perfekt beherrschen. Mir liegt es viel mehr, den
Hund mit Futter dorthin zu lenken, wo ich ihn haben will. Damit
er sich lenken lässt, muss er
Spannung auf dieses machen. Er muss nach dem Futter drängen, es
erobern wollen.
Gottfried Dildei zeigt dies in
seinem Video »Schutzhund, Unterordnung, Teil l« sehr anschaulich. Man
bringt den Hund dazu, seinen Hundeführer zu treiben. Man hält
dem Hund eine Hand voll Futter vor die Nase und geht mit ganz kleinen
Schritten und sehr langsam rückwärts. Der Hund soll mit der Schnauze an
die Hand stoßen und drücken, dann erhält er einen
Brocken. Je intensiver er anstößt,
die Hand und damit den Hundeführer vor sich her treibt, umso häufiger
erhält er Futter. Je zurückhaltender
der Hund ist, umso weniger Futter gibt es. Der Hund soll also nicht
gefüttert werden, er soll vielmehr lernen, dass er durch Treiben
das Füttern auslöst.
Die Motivation mit Gegenständen und die mit Futter sind die zwei
grundlegenden Elemente, die der Hundeführer auf der ersten Ebene lernt.
Ohne Motivation kann es keine Spannung geben, ohne Spannung keinen Hundesport. Aber Präzision und Lernfortschritte im Hundesport
kann es auch nicht geben, wenn der Hund übermotiviert ist und damit
überdreht. Gottfried Dildei hat den Begriff der qualitativ guten
Spannung geprägt, das heißt, der Hund ist motiviert, aber er bleibt -
ohne Hektik - klar im Kopf. Ich habe schon mehrfach erlebt,
dass Schäferhunde innerhalb kurzer
Zeit mit Gegenständen total übermotiviert
wurden. Diese Hunde sind dann derart übererregt, dass man sie
mental nicht mehr erreichen kann.
Ihr ganzes Streben gilt dem Gegenstand oder dem Futter, etwas
anderes nehmen sie nicht mehr auf. Dann sind wir so weit wie mit einem
unmotivierbaren Hund. Den einen kann man für nichts motivieren,
den anderen nur für sein Triebziel - aufnahmefähig für irgendwelche
Lernschritte sind beide nicht mehr. Diesen Zustand gilt es unbedingt zu
vermeiden, sonst verbauen wir uns und unserem Hund
einen Weg in die Ausbildung!

Spannung in Ruhe
Die beste Spannung auf
Motivationsgegenstände und Futter nützt dem
Hundeführer wenig, wenn sein Hund keine Spannung in Ruhe aufbauen
kann. Der Hund soll verharren können, gleich in welcher Stellung.
In dieser Ruhephase soll er dann die Spannung aufbauen und auf Kommando
auf sein Triebziel losrasen. Ohne diese grundlegende Disziplin
wird jede Übungsstunde in ein fröhliches, aber zielloses »Gehopse« ausarten.
Spannung in Ruhe lässt sich nur aufbauen,
wenn der Hund motiviert
ist. Die Spannung auf
ein Triebziel ist die Voraussetzung. Mit Gefühl
und Konsequenz soll der
Hundeführer den Hund verharren lassen. Ob
der Hund sitzt, liegt oder aus dem Spiel heraus in stehender Position
zum Verharren
gebracht wird, ist absolut egal. Im Anfangsstadium
der Ausbildung sollte man den Hund nur kurz verharren lassen. Mit
Handzeichen und
wiederholter verbaler Aufforderung zum Verharren
wird der Hund in seiner
Position gehalten. Die ganze Körperhaltung
des Hundeführers soll Spannung
ausdrücken. Verharrt der Hund, wird
er wieder freigegeben und kann auf sein Triebziel losrasen. Ist
der Hund in qualitativ guter Spannung
und damit für Neues aufnahmefähig, wird er schnell lernen, dass
er nach dem Verharren sein Triebziel erreichen kann. Verharren und Spannung machen werden
somit zum
ersten Lernschritt, der über die Motivation erreicht wird.
Bevor diese drei grundlegenden Ziele: Motivation mit
Gegenständen, Treiben nach Futter und Spannung in Ruhe, nicht erreicht
sind, hat es gar keinen Sinn, mit irgendwelchen anderen Übungen
anzufangen. Es
ist meine Absicht, den Hund so weit zu bringen, dass er eine
Unterordnung nicht absolvieren muss, sondern dass er sie ausführen will.
Und er wird wollen, wenn er mit Futter motiviert wird und weiß, dass
am Schluss gespielt wird.
Erst mit der Zeit wird beim Hund ein gleitender
Übergang zum freudigen Arbeiten mit seinem Hundeführer stattfinden.
Aber am Anfang braucht man Futter und Spiel als Werkzeuge, mit denen man
den Hund konfliktfrei führen und in einem guten Spannungszustand
halten kann. Spannung erzeugen und Spannung aufrechterhalten,
das sind die Grundlagen jeder Ausbildung.

Die zweite Trainingsebene
Das Werkzeug Motivation ist auf der ersten Ebene gelernt
worden. Jetzt kann man dazu
übergehen, die Spannung in Ruhe und die Motivation
zu verbinden und damit die Konzentrationsphase aufzubauen.
Hier beginnt die präzise Arbeit in
der Unterordnung. Der Hundeführer
lernt den Hund in die
Grundstellung zu bringen. Dort soll dieser verharren
und die Spannung aufbauen. Es kann nicht genug betont werden, wie
wichtig die korrekte Grundstellung ist. Jeder Arbeitsschritt
während der Unterordnung beginnt und
endet mit der Grundstellung,
es ist die zentrale Position. Es
gilt, sie sauber und geduldig aufzubauen. Schon früh soll der
Hund vorsichtig und konfliktfrei an das korrekte
Vorsitzen
gewöhnt werden. Die gelernte
Motivation und die Spannung in
Ruhe werden dem Team dabei helfen.
Die gleichen Werkzeuge können verwendet werden, um mit dem
Voran zu beginnen. Der Hund sitzt in der Grundstellung und
sieht einen Helfer mit dem Triebziel,
Futter oder Spielgegenstand, wegrennen. Der Hundeführer hält ihn
im Zustand der Spannung zurück und erst auf Kommando geht es los.
Nebenbei lernt der Hund, Spannung in
schnelle Bewegung umzusetzen und sich vom Hundeführer zu lösen.

Die
Grundstellung und die Konzentrationsphase

Die
Grundstellung wird sehr häufig unterschätzt und es wird ihr nicht
die nötige Beachtung geschenkt. Der Hund wird bei Fuß
gesetzt, und los geht es mit irgendeiner Übung! Die Grundstellung
ist der Anfang und Schluss
eines jeden Übungsteils. Deshalb muss sie
sehr sorgsam und über eine längere
Zeitspanne aufgebaut werden. Nicht die Stellung als solche ist
schwierig, sondern dass der Hund lernt, in dieser Stellung die Spannung
auf den Hundeführer aufzubauen.
An einer Prüfung soll die Grundstellung immer wieder der
sichere Hafen sein, in dem sich Hund
und Hundeführer erneut aufbauen,
die Konzentration wieder finden, vorgefallene Fehler vergessen
und sich auf den Anfang des nächsten Übungsteils vorbereiten
können.
Deshalb verwende ich Wochen darauf, dem
Hund Spannung in dieser Stellung beizubringen. Bevor er sich trotz
Ablenkung nicht eine halbe
Minute auf mich
konzentrieren kann, mache ich keinen Schritt. Man
halte sich immer vor Augen, dass Unterordnung zu laufen heißt: In der
Grundstellung
Spannung
aufbauen und diese in die Bewegung mitnehmen
und halten. Denn, was nicht aufgebaut ist, kann nicht gehalten
werden.
Die Werkzeuge zum Erreichen des
Übungsziels Grundstellung und
Konzentrationsphase sind
erarbeitet worden. Die Arbeit auf der zweiten Ebene kann beginnen. Der
Hundeführer lässt seinen Hund verharren, nimmt einen Futterbrocken in die linke Hand, wendet
sich dem
Hund zu, nimmt Augenkontakt auf und streckt die Hand dem
Hund zu.
Dabei soll der Hundeführer am Anfang der
Übung in der Verlängerung
der Körperachse des Hundes stehen. Damit erreicht er,
dass der Hund sich in
gerader Linie auf die Hand zubewegen kann. Nachdem der Hund die Spannung
in Ruhe aufgebaut hat, ruft ihn der Hundeführer ab und wartet, bis der
Hund die ausgestreckte Hand erreicht. Hier beginnt das auf der ersten
Ebene gelernte Treiben des Hundes. Der
Hundeführer nimmt die Bewegung des
Hundes ab, indem er die Hand
bis an den Oberschenkel und dann nach oben zieht. Der Hund folgt der
Hand, bis er die Sitzstellung erreicht hat. Der ganze Vorgang wird von
der Trainingsgruppe gut beobachtet und dem Hundeführer dabei
geholfen, den richtigen
Bewegungsablauf zu finden. Jeder Hund lässt sich anders führen.
Die Hand sollte am Anfang langsam bewegt werden, bis der richtige
Bewegungsablauf gefunden ist und somit der Hund problemlos in die
korrekte Stellung gebracht wird.
Hat es der Hundeführer endlich geschafft, den Hund sauber in
die Grundstellung zu manövrieren, beginnt der Aufbau der
Spannung. In schneller Reihenfolge
wird anfangs das Futter mit der linken Hand aus
dem Mund des Hundeführers geholt und
dem Hund zugesteckt. Dabei
soll der Hund ruhig sitzen. In Erwartung des Futters lernt der Hund, seinen
Blick auf das Gesicht des Führers zu richten. Genau hier ist wieder
die ganze Trainingsgruppe gefordert. Sie sollte den Hundeführer
bei dieser Übung genau beobachten.
Wichtig ist, dass:
• der
Hundeführer von Anfang an aufrecht und gerade steht und sich
nicht dem Hund zuwendet,
• der Hund sich immer an die gleiche Sicht des Hundeführers gewöhnt,
• wenn
sich der Hundeführer in der Grundstellung dem Hund zu wendet,
dieser im Folgen frei die Ansicht des Hundeführers suchen und
schräg vorlaufen wird,
• man
berücksichtigt, dass kleinen Hunden durch vorstehende Gilettaschen,
breite Jacken oder Bauchtaschen die Sicht auf den Hundeführer versperrt
wird und sie dadurch zum Vorsitzen neigen.

Sehr
hilfreich für die korrekte Körperhaltung des Hundeführers sind hohe
Spiegel. Alte Schranktüren mit montierten Spiegeln lassen sich
leicht auftreiben. Stellt sich der Hundeführer an der richtigen Stelle
vor
dem
Spiegel auf und ruft seinen Hund ab, kann er den gesamten nun folgenden
Bewegungsablauf im Spiegel beobachten, ohne sich dem Hund dabei
zuzuwenden. Der Hund wird in die richtige Position
gebracht, und der Hundeführer steht
von Anfang aufrecht und gerade. Zusätzlich kann der Hundeführer
das Geschehen neben sich
überblicken, ohne seine Körperhaltung ändern zu müssen. Wie schon
erwähnt, beginnt der Hundeführer nun in schneller Folge
das Futter aus seinem Mund zu
verabreichen. Geht er später dazu über, das Futter zu spucken, wird
gelegentlich ein Wurststück auf den Boden
fallen. Ich betrachte das nicht als
Tragödie, lasse den Hund die Wurst
suchen und manövriere ihn in die
Grundstellung zurück. Dass der Futterbrocken auf den Boden fällt, ist
insofern nicht tragisch, da ich damit den Hund für den
vorangegangenen, kurzen Moment der Spannung
belohnt habe. Das Übungsziel ist ja
nicht Wurstfangen, sondern Spannung
aufzubauen.
Bei sehr untalentierten Fängern reicht man das Futter aber besser
mit der Hand. Man vergesse nie, dass
noch kein Weltmeister im Futterfangen einfach so geboren wurde!
Futterfangen will gelernt sein. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Will man aber das Futterfangen üben, muss es nicht zwingend in der
Grundstellung geübt werden; es
gibt genügend Gelegenheiten im Alltag, eine Futterfanglektion durchzuführen.
Meine Hunde sind begeisterte Früchtefresser. Esse ich Obst, warten sie
geduldig, bis ich ihnen ihren Teil des Apfels, der Birne oder einen
Apfelsinenschnitz zuwerfe. Nutzen Sie solche wunderbaren Gelegenheiten,
Ihrem Hund das Fangen beizubringen. Allerdings benötigt der
Hund eine gewisse motorische Reife,
um das fallende Futterstück überhaupt fangen zu können. Sobald er
den Fang nicht erst aufmacht, wenn der Brocken auf dem Boden liegt, ist
die Zeit gekommen, mit dem
Futterfangspiel zu beginnen.
Mit der Zeit dehnt man den Abstand zwischen dem Verabreichen der
einzelnen Futterbrocken aus, aber nur so lange, wie der Hund die
Spannung halten kann. Wenn Sie ihn
mit der Hand füttern, sollten Sie
dies abwechselnd mit der linken und
der rechten Hand tun. So vermeiden
Sie, dass sich der Hund auf eine der beiden Hände fixiert.
Noch einige Worte zum Spucken der Futterbrocken:
Ich will
erreichen, dass der Hund seine ganze Spannung gezielt auf einen Punkt
richtet, am besten auf das Gesicht des Hundeführers.
Damit habe ich jederzeit die
Möglichkeit Augenkontakt aufzunehmen,
wie das später im Vorsitzen beschrieben
wird. Der Hund sieht an meinem Oberkörper entlang zum Gesicht hoch und registriert somit
jede noch so kleine Drehung
des Oberkörpers. Dies wird bei den Wendungen
in der Freifolge und vielen anderen Übungen von entscheidender Bedeutung sein. Deshalb ist es mir so wichtig, dass mein Hund dem
Futterdepot in meinem Mund
seine Aufmerksamkeit schenkt. Manchmal holt meine Hand den
Futterbrocken, manchmal spucke ich das
Futter. Immer aber ist es mein Mund
aus dem das Futter kommt. In
dieser Phase lernt der Hundeführer, seinem Hund auch verbal mitzuteilen,
was er gut und was er schlecht findet. Macht der Hund zwischen zwei Futterbrocken weiterhin Spannung auf den Hundeführer,
muss ihn dieser loben, kurz und in
angenehmer Stimmlage. Dann folgt wieder ein Futterbrocken. Schaut der
Hund weg, was wir im Spiegel ja beobachten können, sollte dies
mit mahnender Stimme unterbunden werden. Schaut der Hund den Hundeführer
wieder an, wird er sofort
gelobt und mit Futter bestätigt.
Das Erlernen dieser unmittelbaren Kommunikation zwischen
Hundeführer
und Hund ist für die weitere, erfolgreiche Arbeit im Hundesport
von entscheidender Bedeutung. Das Unterbinden von
unerwünschten
Handlungen des Hundes muss blitzartig, in Bruchteilen von Sekunden
erfolgen.
Korrigiert sich der Hund, muss dies sofort verbal bestätigt werden. Zeit
zum Füttern oder Spielen bleibt noch genügend. Nur wenn wir sofort und
verbal reagieren, kann der Hund verstehen, was
wir von ihm verlangen und daraus
lernen. Der Spiegel wird uns helfen,
den entscheidenden Augenblick für die
Reaktion abzupassen. Hundeführer
sollten sich ruhig Wochen Zeit lassen, diese grundlegende Kommunikation
zu lernen und sie ihrem Hund zu vermitteln.
Um die Übung abzuschließen gehe ich so vor: Aus einem Moment der Spannung
lobe ich meinen Hund und mache gleichzeitig einen Schritt
rückwärts. Das ist für meinen Hund das Zeichen zum Abbruch der
Arbeit und zum Beginn des Spiels. Das Wesentliche ist für mich dabei
der
Schritt rückwärts. Dieser muss in keiner Sparte unserer Prüfungsordnung gezeigt werden. Wenn ich den Hund
lobe und das Spiel mit einem Schritt vorwärts beginne, könnte sich in
der Prüfung leicht ein
Missverständnis ergeben:
Ich will losmarschieren, der Hund findet es
aber an der Zeit zu spielen und schon haben wir den
»Salat«. Den Hund
daran zu gewöhnen, dass die Spielphase mit einem Schritt rückwärts
und
gleichzeitigem Lob beginnt, ist also eine reine Vorsichtsmaßnahme
- man soll das Risiko minimieren, wo es geht!
Wenn die Pausen zwischen den einzelnen
Futterstücken schon etwas
länger geworden sind,
beginnt man vorsichtig, Ablenkungen einzubauen: Der Hundeführer gibt
nach einer Pause wieder in kürzeren Abständen
Futter, gleichzeitig klatscht jemand in die Hände. Natürlich wird sich
der Hund ablenken lassen, es ist aber am Hundeführer, die Aufmerksamkeit
seines Hundes wieder auf sich zu lenken und zu halten.
Hier leistet der Spiegel
wieder hervorragende Dienste, man kann sofort
reagieren.
Meistens genügt ein kurzes Anrufen des Hundes und anschließendes Verabreichen von noch mehr Futter. Nach
einigen Versuchen sollte der Hund die Umgebung nicht mehr spannender finden als
seinen Hundeführer. Das wäre der zu erwartende Normalfall.
Was aber, wenn es nicht so läuft? Das
Wichtigste ist, dass der Hundeführer dann die Nerven nicht verliert und
die Übung in der Gruppe analysiert und offen diskutiert wird:
• Hat man zu früh mit der Ablenkung begonnen?
• Ist vielleicht der Hund noch zu jung?
• Lässt sich der Hund schon genügend mit Futter motivieren oder hat
man zu schnell etwas von ihm
verlangt, das er
noch gar nicht leisten kann?
• Stimmt die Rangordnung, ist wirklich der Hundeführer der Chef
im Team? Bestimmt tatsächlich er,
was läuft?
Hat der Hund die psychische Reife und
macht er genügend Spannung
auf Futter, schlage ich vor,
die Übung ohne Ablenkung weitere zwei,
drei Wochen fortzusetzen und erst
dann einen neuen Versuch zu starten. Geht das immer noch nicht,
legt man lieber eine Pause ein, spielt
mit dem Hund und macht ihn noch
gieriger auf das Futter. Bringen es Hund und Hundeführer allerdings gar nicht fertig, die Spannung
zu halten, hat es überhaupt keinen Sinn weiterzumachen. Wer
den elementaren Spannungsaufbau
nicht schafft, sollte einsehen, dass entweder er selber oder sein
Hund für den Hundesport nicht geeignet
sind. Im Interesse des Hundes und
der Beziehung zwischen Hund und Hundeführer würde ich persönlich
mit der Unterordnung aufhören. Was man nicht mit Spannung erreichen kann, wird man versucht sein, mit
Zwang zu erreichen. Das ist ethisch nicht vertretbar. Man kann es
auch sonst ganz toll haben mit seinem Hund. Wenn die elementaren
Voraussetzungen fehlen, muss nicht um
jeden Preis eine Unterordnung
erzwungen werden.
Ich betone noch einmal, dass man sich für diesen
grundlegenden Übungsteil unbedingt
genug Zeit nehmen muss, denn die Konzentrationsphase muss perfekt
klappen. Es ist der Grundstein der ganzen zukünftigen Arbeit in der
Unterordnung. Selbstverständlich muss der Hund fähig sein, die Spannung
auch unter Ablenkung beizubehalten.
Klatschen, sich bewegende Personen, Hunde, die an der Leine vorbeigeführt werden, dürfen ihn nicht ablenken. Seine Konzentration muss
ganz dem Hundeführer gelten.

Das Vorsitzen
Zur gleichen Zeit
wie mit dem Voran, soll man mit dem Vorsitzen
beginnen. Die Voraussetzungen für
den Anfang sind die gleichen: Der
Hund muss Spannung in Ruhe machen
können. Das Abrufen und Vorsitzen
in der IPO sowie das Apportieren sind wichtige Elemente einer
sauber vorgeführten
Unterordnung. Das tadellos ausgeführte Vorsitzen setzt
eine korrekte Technik des Hundes in der Schlussphase voraus.
Das andere Problem ist unser Druck
auf den Hund im Vorsitzen.
Versetzen wir uns in die Lage
unseres Vierbeiners. Da sitzt er, und vor
ihm steht - und das ganz nahe - sein
Meuteführer und starrt ihm wenn
möglich noch in die Augen. Diese
Stellung kommt dem Hund unangenehm bekannt vor: Da gab es doch
immer wieder Schelte oder vielleicht
bei anderen Begebenheiten auch mal Züchtigungen. Immer war da der
Chef nahe, weit oben und hat gestarrt. Jetzt soll es aber auf
einmal eine lustige Übung sein. Der
kluge Hund wird solche Situationen
mit Vorsicht und Zurückhaltung angehen. Verheerend für das Vorsitzen
ist es, den Hund von Anfang an am Halsband zu packen und in
die richtige Stellung zu zwingen.
Seine Zurückhaltung wird in Meideverhalten
umschlagen und dieses wird er kaum je wieder ablegen.
Ich beginne diesen Übungsteil, indem
ich dem Hund zeige, dass das Sitzen
vor dem Hundeführer eine lustige und in keiner Weise bedrohliche
Angelegenheit ist. Also darf ich ihn nicht unter Druck setzen. Dazu knie
ich nieder und manövriere meinen Hund mit
Futter vor mich hin in die
Sitzstellung. Dabei lobe und füttere ich ihn, das
Belohnungsspiel folgt am
Schluss. Sehr schnell wird der Hund freudig mitmachen und
ich kann
mich etwas erheben, indem ich mich zum Beispiel auf einen Stuhl setze.
Auch hier folgt der Aufbau dem Schema Schritt für Schritt. In einer völlig
harmlosen Situation lernt der Hund die Stellung kennen und sich
dabei wohl fühlen. Setze ich mich
auf den Stuhl, bin ich für ihn von der Erscheinung her schon etwas
bedrohlicher. Problemlos dem Futter folgend, findet sich der Hund vor einem in seiner Stellung leicht
veränderten Hundeführer wieder, und wird sofort wieder gelobt und gefüttert.
So kann er das veränderte Bild des Hundeführers konfliktlos
verinnerlichen. Nun arbeite ich mich langsam in die Höhe, bis ich in
voller Körpergröße vor meinem Tier stehe. Wie selbstverständlich wird
er dies akzeptieren, gespannt auf den nächsten Futterbrocken
warten und die Spannung auf mich
halten. Damit ist die Grundlage für weitere
Aufbauschritte gelegt.
Die Endstellung wird vom Hund als angenehm
empfunden. Jetzt kann
ich anfangen, ihn in diese Endstellung abzurufen und an der Technik des
Hereinrutschens in die Endstellung zu arbeiten. Der umgekehrte
Weg, ihn also zuerst abzurufen und
ihn dann erst ins Vorsitzen zu bringen, wird nie
funktionieren. Wieso soll der Hund freudig und schnell eine Stellung
einnehmen, die er nicht kennt und die er als bedrohlich
empfindet?
Video Clip
Rufe ich den Hund zum
Vorsitzen ab, soll er nicht auf mich zurasen
und mich mit der Nase anstupsen,
danach stehen bleiben und sich erst
dann setzen. Dadurch wird er sicher
in zu großem Abstand vor mir sitzen. Ich will dem Hund beibringen, im
letzten Moment die Hinterhand
zu senken und in die Schlussstellung hineinzurutschen. Am einfachsten
lernbar ist dieser Schritt
ganz aus der Nähe. Ich lasse den Hund in der
Sitzstellung warten, gehe einen
Schritt zurück und rufe ihn in das Vorsitzen
ab. So muss er die Hinterhand nicht ganz hochnehmen, die Vorderläufe
gehen nach vorne und hinten findet das erwünschte Nachrutschen statt.
Vielleicht kommt er von selbst in das bekannte Vorsitzen,
vielleicht braucht es noch etwas Hilfe mit der Hand. Kennt der Hund
das Vorsitzen als angenehm,
wird es nicht lange dauern, bis er freudig
nachrutscht.
Im
nächsten Aufbauschritt vergrößere ich die Distanz auf 20 Meter und
mehr, der Hund soll richtig Tempo machen können. Da er
gelernt hat,
was
Spannung in Ruhe ist, wird er freudig auf das Abrufen warten und dann
auf mich zurasen.
Entscheidend ist nun, wie ich ihn in die
Endstellung führe. Hierbei nehme ich
wieder das Futter zu Hilfe. Keinesfalls darf ich einfach das Futter
irgendwo am Körper halten; er wird mich unerwünscht anstupsen und nicht in die Stellung hineinrutschen. Ich muss das Futter in der
Hand daher so halten, dass ich den Hund vorne und tief abhole
(der Hund hält den Kopf tief), dann zu mir her ziehe und erst im letzten
Moment die Hand nach oben führe. Meine Hand soll genau auf der
richtigen Höhe die Bewegung abbrechen. Ziehe ich zu hoch, wird der
Hund an mir hochspringen; halte ich zu tief an, wird es ihn zusammenstauchen.
Nach vielen erfolgreichen Übungen mit allen Hilfen und viel
Futter, beginne ich mit dem Abbau der Hilfe. Kommt der Hund angerannt,
gehen beide Hände immer später vom
Körper zum Hund und bleiben
schlussendlich ganz am Körper.
Video Clip
Der Abbau der Hilfen ist Gefühlssache, bei dem einem Hund geht es
schneller, beim dem anderen muss sich
der Hundeführer mehr einfallen lassen. Sitzt der Hund schräg oder zu
weit weg, manövriert man ihn
in die richtige Stellung. Der Hundeführer
lässt dabei die Füße an Ort und Stelle.
Was er nie machen soll, ist eine Korrektur, verbunden mit einem
Schritt zurück. Die Gefahr ist groß,
dass der Hund die Übung dann folgendermaßen versteht: »Ich soll
mich mit etwas Abstand vor den Hundeführer setzen, dieser macht
dann einen Schritt zurück und ich
folge in die korrekte Frontstellung«.
So wird unser Hund nie begreifen können, wieso der Chef dabei nie
zufrieden ist, denn es wurde doch
die ganze Zeit so geübt! Wenn man damit beginnt, den Hund auf Distanz
abzurufen, sollte man sich gleich möglichst weit entfernen. Bis
man den angestrebten Ort erreicht
hat, vergeht einige Zeit. Vom Hund wird derweil erwartet, dass er
mit Spannung in Ruhe verharrt. Wie viel Spannung der Hund
tatsächlich aufbaut, kann der Hundeführer nicht sehen, er dreht ihm ja
beim Weglaufen den Rücken zu.
Beobachtet die Trainingsgruppe, dass der Hund die Spannung abbaut, muss
sofort etwas unternommen werden. Der Hund hat ja gelernt, dass es erst wieder
spannend wird, wenn
sich sein Hundeführer ihm zuwendet. Natürlich baut er
die Spannung
dann wieder auf, nur ist die Gefahr zu groß, dass er vorher zu viel
davon
verliert.
Man kann dem leicht vorbeugen, indem der Hundeführer den
Hund warten lässt und sich wie
gewohnt entfernt. Nach wenigen
Schritten dreht er sich blitzartig um, holt das Spielzeug aus der
Tasche, lobt den Hund und wirft gleichzeitig das Spielzeug hinter
den Hund. Dieser darf es holen und mit seinem Hundeführer spielen. Auf
diese Weise lernt der Hund, dass beim Weglaufen des Hundeführers etwas
Interessantes passieren könnte, und er wird den Hundeführer genau
beobachten und die Spannung aufrechterhalten.

Das Voran
Folgendes passierte mir vor vielen Jahren auf einer
Meisterschaft. Das Wetter war fürchterlich, es schneite und regnete
abwechselnd. Vor allem der Wind setzte uns allen zu. Da stand ich
nun auf der Unterordnungswiese und schickte meinen Hund ins
Voran. Das Einzige, was zu sehen war, waren neben der Wiese an
einem Viehzaun
angebrachte gelbe Plastikteile. Davon magisch angezogen, verließ
mein Hund die Gerade, der er folgen sollte, und schnüffelte sich von
Plastikteil zu Plastikteil. Das
war der Moment, in dem ich mir geschworen habe, das Voran nie
mehr mit einem Tellerchen und dem darauf liegenden Futter
aufzubauen.
Bei dieser Methode wurde das Tellerchen irgendwo mitten in
eine Wiese gesteckt. Der Hund wurde
ins Voran geschickt und nach wenigen
Versuchen lernte er, die Wiese mit den Augen abzusuchen. Es war mir
eigentlich schon immer ein Rätsel gewesen, wieso der Hund in die
von mir gedachte Richtung rennen
sollte.
Erst der Ratschlag eines Kollegen brachte mich
weiter. Dieser meinte, ich solle doch den Hund lehren, dass das
Triebziel (Futter oder Spielzeug) am Geländeübergang liege. Und damit hatte er Recht. Es ist für
den Hund einfach zu lernen, dass er auf dem Gelände, auf dem er startet, keine Bestätigung findet. Erst wenn er den
Geländeübergang erreicht, ist etwas zu erwarten. Dabei muss er nicht
links und rechts schauen, sondern so schnell wie möglich an den
Geländeübergang gelangen. Hunde, die
voller Spannung losrasen, rennen meistens auch
geradeaus!
Seither lege ich in der Aufbauphase den
Futtertopf/Spielzeug immer auf die Grenze
Wiese-Acker, Wiese-Weg oder ans Ende des Übungsplatzes. Dadurch
hat der Hund gar keinen Grund, zögernd von mir wegzurennen
und nach links und rechts zu schauen,
ob irgendwo irgendwas liegt. Auf das Kommando »Voran« gilt es für ihn
den Platz so schnell wie möglich
zu überqueren, denn erst am Ende findet er sein Futter/Spielzeug.
Sobald der Hund fähig ist, Spannung in Ruhe aufzubauen, kann man mit dem
Voran beginnen. Man manövriert den Hund in die Grundstellung
und lässt ihn warten. Ein
Trainingskollege rennt mit dem Futtertopf/Spielzeug weg und legt ihn am
Geländeübergang ab. Mit »Voran« schickt man den Hund aus der
Grundstellung.
Es empfiehlt sich, für längere Zeit immer am gleichen Ort zu
üben. Dadurch wird der Ablauf gefestigt und die Erwartung des Hundes
immer größer. Die Distanz kann man
nach zwei, drei Übungen auf über
50 Meter steigern; ist der Platz
länger, nutzt man die volle Länge aus. Viele Trainingsstunden
später kann man den Topf irgendwo anders
deponieren, ohne dass der Hund ihn
sieht. Es sollte dann aber jemand versteckt bereitstehen, um das
Futter wegzunehmen, sollte der Hund
wider Erwarten nicht zielstrebig nach vorne rasen. Erst wenn diese Übung
tadellos sitzt, ist das Übungsziel des Voran auf dieser zweiten Ebene
erreicht.

Die dritte Trainingsebene
Nun ist es an der Zeit, dass der Hund
lernt, die Spannung in die Bewegung
mitzunehmen. Entscheidend dabei ist, dass seinerseits der Hundeführer
lernt, die Motivationshilfen abzubauen, mit denen er den
Hund in den ersten Schritt mitnimmt.
Wieso aber soll der Hundeführer nur einen Schritt gehen? Er könnte
doch auch mehrere machen,
die Konzentration dazu ist doch da? Sie erinnern sich bestimmt, dass wir
es uns zur Aufgabe gemacht haben, den Hund nie zu überfordern. Aus
Prinzip versuche ich, einem Hund
eine Stellung möglichst lange und konfliktfrei beizubringen, wie wir das
ja schon bei der
Grundstellung praktiziert haben. Wenn der Hund das
erste Mal mit einem Schritt dem Futter folgen soll, wird
ihn das verwirren.
Bevor sich die Verwirrung aber in Überforderung auswächst, bringe
ich ihn in die vertraute Grundstellung. Die kennt er, in ihr
fühlt er sich wohl, da ist die Welt in Ordnung. Rücksichtnahme ist der beste
Weg, dem Hund
etwas beizubringen, denn nur wenn das Team Hundeführer-Hund
kleine Schritte macht, wird es in der Unterordnung weiterkommen.
Wichtig für das Absolvieren der dritten Trainingsebene ist
es allerdings, dass der Hundeführer seinem Hund die Hilfen gibt, die
dieser braucht.
Deshalb muss der Trockenübung Freifolge, also ohne Hund, die
nötige Beachtung geschenkt werden. Hierbei lernt der Hundeführer ein Schrittschema, das es ihm erlaubt, das Angehen, die Wendungen
und das Anhalten ohne Hund immer auf die gleiche Art und
Weise zu absolvieren. Gelingt ihm das nicht, wird er es mit dem Hund
an seiner Seite
nie schaffen. Der Hund kann nicht voraussehen, wann
eine Wendung kommt, oder wann der Hundeführer anhält. Er findet
damit in seinem Rudelführer nicht die Stütze, die er sucht.

Einen Schritt nach vorne,
anhalten

Jetzt sind die Übungsziele der zweiten Ebene erreicht. Der Hund
kennt
die
Grundstellung. Über Wochen hat er gelernt Spannung auf mich
zu
machen und lässt sich nicht mehr ablenken. Nun ist es
an der Zeit, dass
er
lernt, die Spannung in die Bewegung mitzunehmen und zu halten.
Es wird ihn völlig verwirren, wenn er mir den ersten
Schritt folgen soll.
Um
die Verwirrung nicht in Überforderung ausarten zu lassen, belasse
ich es bei einem Schritt. Man darf nie vergessen, dass in der
Unterordnung
hauptsächlich der Hundeführer ausgebildet wird. Ein Anfänger hat
mehr als genug damit zu tun, die Übungsziele einen Schritt nach
vorne und den Abbau der Hilfen
zu bewältigen. Mehrere Schritte würden ihn auf dem jetzigen
Ausbildungsstand total überfordern.
Wie schon oft geübt, stelle ich
mich mit dem Hund in der Grundstellung
vor dem Spiegel auf.
In dieser Stellung fühlt sich mein Hund wohl.
Er weiß, was er zu tun hat. In
der linken Hand halte ich einen Futterbrocken und beobachte meinen
Hund im Spiegel. Hält er konzentriert Spannung, gebe ich das
Kommando »Fuß!«. Dann gehe ich mit dem rechten Bein einen schnellen,
aber kurzen Schritt nach vorne. Gleich zu Beginn der Bewegung halte
ich dem Hund die linke Hand vor die
Nase und ziehe ihn in die
Bewegung mit. Während ich das linke Bein
etwas langsamer
nachziehe, führe ich die Hand schnell nach oben, der Hund setzt sich
wieder in die Grundstellung. Es folgt, als wenn nichts
geschehen wäre, eine Konzentrationsphase.
Natürlich hatte mein Hund keine Ahnung, was das Kommando »Fuß«
bedeuten soll. Mit Hilfe des Werkzeugs Motivation mit
Futter war es mir
aber möglich, ihn dorthin zu manövrieren, wo ich ihn haben wollte.
Er hat die
Spannung auf mich in der Grundstellung aufgebaut, ist dann
dem Futter gefolgt und ehe er sich versah, habe ich ihn wieder in
die Grundstellung gebracht, die ihm ja schon vertraut ist. So
benutze ich eine bekannte
Stellung am Anfang und am Schluss der Übung, um ihm
etwas Neues beizubringen.
Obwohl wir
vor dem Spiegel üben, sind wir in dieser Phase auf die
Beobachtungen der Trainingsgruppe angewiesen. Aus der Gruppe sollte
einer neben, ein anderer hinter dem Hundeführer stehen. Zieht der
Hundeführer die Hand zu weit
nach vorne, zu langsam nach oben, sitzt
der Hund schräg oder ist der Schritt zu lang, dann
muss dies sofort
besprochen und
korrigiert werden. Der Bewegungsablauf muss von
Anfang an präzise und
korrekt einstudiert werden.
Video Clip
Bei dieser Übung muss die Schrittlänge kurz sein. Der Hund darf
dabei nicht
ganz aufstehen. Er soll von Grundstellung zu Grundstellung
nachrutschen. Dieses Hineinrutschen in die Sitzposition wurde beim
Vorsitzen schon geübt.
Auch hier soll der Hund lernen, in der Endphase
des Anhaltens sofort wieder zu sitzen und nicht zuerst anzuhalten
und dann erst das
Hinterteil zu senken. Macht der Hundeführer nämlich
einen zu großen Schritt, muss der Hund aufstehen; bevor er jedoch
halbwegs steht, hält der
Hundeführer wieder an. Da er die Hand vor
der Nase hat, bleibt auch der
Hund stehen und sitzt erst dann ab. So
wird er nie lernen, blitzartig
ins Sitzen zu rutschen, sobald der Hundeführer
das linke Bein für das Anhalten etwas langsamer anzieht.
Der
kurze Schritt und das schnelle Hochziehen der linken
Hand hingegen
lehren den Hund von Anfang an, die Sitzposition
schnell einzunehmen.
Nach einigen Übungsstunden sollte der Hundeführer den
Schritt nach
vorne und die Führung des Hundes gelernt haben. Der
Hund war vielleicht die ersten paar Male etwas verwirrt, folgte dann
aber dem Futter
und nahm wieder die Sitzstellung ein. Sein
Hundeführer hingegen hatte
mehr zu tun: die richtige Schrittlänge beachten, den
Hund führen, die Hand schnell nach oben bis zur richtigen Höhe
ziehen, den Oberkörper gerade halten, nicht auf den Hund, sondern in
den Spiegel schauen,
und vieles andere mehr.
Video Clip

Abbau der Motivationshilfen
Da die
Prüfungsordnung verlangt, dass der Hund die Unterordnung ohne Hilfen des
Hundeführers zeigt, folgt nun der entscheidende Teil
der ganzen Übung, nämlich der Abbau
der Hilfen mit der linken Hand. Jeder Hund wird sich an der linken Hand,
die das Futter hält, orientieren,
kein Hundeführer kommt also um den Abbau dieser Hilfe herum.
Ich bin der
Meinung, dass man nicht nach ein, zwei Trainingseinheiten schon damit
beginnen sollte, nach dem Motto: »Je früher, umso geringer ist der Aufwand!«. Diese Auffassung ist
meines Erachtens falsch.
Der Hund sollte Zeit haben, sich mit voller Hilfe an die
Anforderungen
des neuen Lernschrittes zu gewöhnen. Hund und Hundeführer sollen
Gelegenheit haben, den Bewegungsablauf kennen zu lernen. Mit dem Abbau
folgt zwangsläufig eine konfliktgeladene Phase; eine Phase, in
welcher der Hundeführer auf das Äußerste
gefordert wird. Man kann
diesen Schritt nicht umgehen, aber wir sind es dem Hund
schuldig, ihm
zuerst ein solides Fundament zu geben. Erst dann kann er verarbeiten,
dass die Hilfen abgebaut werden. Im anderen Fall wartet unser Feind,
die Überforderung, nur
darauf, den Niedergang der Ausbildung einzuläuten.
Wenn ich mit dem Abbau beginne, leite ich nach dem Kommando
:
»Fuß!« den Bewegungsablauf ein: Ich bewege das rechte Bein vor, führe
aber die linke Hand nicht sofort vor die Nase des Hundes. Habe
ich Glück, folgt der Hund meiner Bewegung. Sowie er nachzurutschen
beginnt, lobe ich ihn, ziehe erst dann blitzartig die Hand nach vorne
und beende die Übung, indem ich den
Hund in die Grundstellung bringe.
Habe ich Pech, bleibt der Hund sitzen und wartet auf meine linke
Hand.
Nun beginnt das große Spiel: Wie bringe ich
meinen Hund dazu, meiner Körperbewegung zu folgen?
Der Schritt nach vorne mit voller Hilfe
verlief bisher nach dem Kochbuchrezept:
»Man nehme einen Hund, der sich mit Futter motivieren
lässt und die Grundstellung kennt, bringe dem Hundeführer den richtigen
Bewegungsablauf bei, und der Hund folgt dem Futter von Grundstellung zu
Grundstellung«.
Für den folgenden Hilfeabbau gibt es aber
kein Kochbuchrezept. Der
Hundeführer muss lernen, je nach Situation zu reagieren
und das ganze Repertoire der Kommunikation auszuschöpfen. Leitet er die
Bewegung ein, und
bewegt sich der Hund nur minimal, muss er ihn sofort loben
und ihm damit zu verstehen geben, dass er genau das vom Hund will.
Gleichzeitig kommt die linke
Hand und zieht den Hund in die Grundstellung. Wann
und wie viel Lob, und in welchem Moment die Hand
kommt, muss der Hundeführer in
Bruchteilen von Sekunden entscheiden. Kein Übungsleiter, niemand kann
ihm sagen: »Jetzt muss du dies
oder das machen«. Die Trainingsgruppe kann beobachten, man kann
Fehler
besprechen, man kann die Übung wiederholen, aber im alles
entscheidenden Moment ist jeder
Hundeführer auf sich selbst gestellt.
Bei der Ausbildung von Anfängern habe ich immer wieder beobachtet,
dass sich in diesem Moment
zeigt, welcher Hundeführer es im ersten
Lebensjahr seines Hundes geschafft
hat, mit ihm eine Verständigungsbasis
herzustellen. Bringt es ein Hundeführer fertig, einem Hund in seinem
ersten Lebensjahr zu vermitteln, was er von ihm will und was
nicht, wird er den Hilfeabbau
problemlos schaffen. Dieser Hundeführer
hat gelernt, schnell zu reagieren,
unerwünschte Handlungen verbal zu
unterbinden, erwünschtes Verhalten
sofort zu bestätigen. Die Kommunikation wurde schon früh
eingespielt, jetzt kann er die Früchte im
Hundesport ernten.
Es
lohnt sich, einige Schritte mit voller, dann einige mit etwas reduzierter
Hilfe zu gehen. Sieht man, dass der Hund zu begreifen beginnt, was von
ihm verlangt wird, baut man die Hilfe immer mehr ab, das verbale
Lob
kann ausbleiben. Geht es an einem Trainingstag plötzlich schlechter,
gibt man sofort wieder mehr Hilfen, lobt und hilft seinem Hund
über das Problem hinweg.
Früher oder später, mit viel Geduld, sollte es jedes Team schaffen, dass
der Hund den
Bewegungen des Hundeführers folgt und dann selbstständig
wieder in die Grundposition rutscht. Es erfordert viel Arbeit,
aber hierbei lernt der
Hundeführer etwas Entscheidendes für den Hundesport: den Abbau der
Motivationshilfen. Die ganze Ausbildung über
wird er diesem Problem begegnen. Er
bringt seinem Hund mit Motivationshilfen etwas bei, um diese dann
wieder abzubauen, wenn der Hund die
Bewegungsabläufe intus hat.

Wendungen an Ort
Die Wendungen an Ort sind ein weiterer, kleiner Schritt
in der Vorbereitung
für die Freifolge. In der Grundstellung hat sich der Hund
gewöhnt, uns immer von der gleichen
Seite anzuschauen. Nun hoffen wir, dass er diese Ansicht unseres
Oberkörpers auch im Freifolgen
suchen wird. Mit dem Schritt nach
vorne ist die Grundlage dafür gelegt
worden. Über die ganze Übung
Freifolgen wird sich der Hund an der Bewegung des Oberkörpers
orientieren, auch in der Wendung. Deshalb
machen wir ihn jetzt mit der Wendung an Ort bekannt.
Ich lasse mir und dem Hund Zeit mit
dieser Übung, bis der Schritt nach
vorne ohne Hilfe gemeistert wird.
Dann beginne ich mit 90°-Wendungen nach rechts, später folgen
180°-Wendungen. Die Wendung nach
links übe ich bewusst erst später ein. Ich stelle mich mit dem Hund in
der Grundstellung auf und beobachte mein Tier im Spiegel. Macht
er eine gute Spannung, gebe ich das Kommando, lasse meine Füße
für einen kurzen Moment unbewegt und
drehe den Oberkörper ein wenig
nach rechts. Dann führe ich die
linke Hand mit dem Futter vor die Nase
des Hundes und drehe gleichzeitig
die Füße an Ort und Stelle um 90° und ziehe dabei den Hund mit.
Im richtigen Moment hebe ich meine Hand hoch und bringe den Hund wieder in die Grundstellung.
Auch hierbei ist es wichtig, dass der Hund um den Hundeführer
herumrutscht und nicht aufsteht und sich wieder hinsetzt. Deshalb darf
man keinen Ausfallschritt nach rechts machen. Die Füße bleiben bei
der Drehung am Ort.
Ziel der Übung ist es, dem Hund klar zu machen,
dass
wenn sich der Oberkörper dreht, nicht in Marschrichtung weitergegangen
wird, sondern eine Wendung folgt.
Da der Hund das Abbauen der Hilfen schon kennt, kann man
nach den
ersten
Versuchen diesmal vergleichsweise früh damit beginnen. Mit der Wendung
dreht sich der Hundeführer weg vom hilfreichen Spiegel. Auf
diesem Stand der
Ausbildung sollte der Hundeführer aber gelernt
haben, sich auf seine Trainingsgruppe zu verlassen. Er
darf auf keinen Fall in und nach der Wendung den Oberkörper dem Hund
zuwenden.

Das Schrittschema für die
Freifolge
Ein perfekt vorgeführtes Freifolgen ist eine
wunderschön anzusehende
Übung. Der Hund orientiert sich am harmonischen Bewegungsablauf
des Hundeführers, folgt ihm blitzartig in die Wendungen und nimmt
schnell und korrekt die Grundstellung ein. Dieses Niveau des
Freifolgen
kann nur erreichen, wer seinem Hund von Anfang an eine klare
Orientierung gibt. Das Angehen, die Schrittfolgen vor, in und nach den
Wendungen müssen immer gleich sein. Damit werden die
Wendungen und das Anhalten für den Hund voraussehbar.
Wer diese Voraussehbarkeit bezweifelt, sollte folgendes
Experiment machen. Man stelle sich
wie für die Grundstellung auf, und ein Trainingskollege
nimmt die Stelle des Hundes ein. Der Hundeführer gibt
das Kommando »Fuß!« und marschiert
los. Irgendwann hält er wie in der Unterordnung an, ohne verbales
Kommando und ohne zu zögern. Der Trainingskollege, der den Part des
Hundes übernommen hat, soll
wie der Hund das Anhalten »seines Hundeführers« erleben
und versuchen, zeitgleich mit ihm anzuhalten.
Die ersten zwei, drei Mal wird der »Hund« völlig
überrascht werden und
noch
ein, zwei Schritte weiter laufen, bevor er reagiert und anhält. Hat
der Hundeführer
einen harmonischen Bewegungsablauf und hält er
immer gleich an, wird sich sein
»Hund« mit jedem Versuch verbessern.
Spätestens nach vier-, fünfmaliger
Wiederholung spürt er das Anhalten
im Voraus und hält
auf gleicher Höhe mit dem Hundeführer an. Dabei
erlebt der »Hund«, was für ein hohes Maß an Konzentration
es dazu braucht. Nur hat das noch
kein Vierbeiner seinem Hundeführer mitteilen
können!
Im Gegensatz zu unseren Hunden, ist bei uns das
Bewusstsein für die
Körpersprache nicht stark ausgeprägt. Jeder, der diese Übung macht,
ist erstaunt,
dass er das Anhalten voraussieht, dass er spürt, dass es kommt. Das ist
für mich der Beweis, dass unsere Körperhaltung und
unser Bewegungsablauf für unseren Vierbeiner die entscheidende Orientierungshilfe
beim Freifolgen sind.
Bevor man mit dem Hund das Freifolgen übt, sollte
jeder Hundeführer
das Schema, das auf der ersten Prüfungsstufe verlangt wird, ohne seinen
Hund fehlerfrei beherrschen. Welche Wendung kommt wann? Wo wird
angehalten? Wie ist die Schrittfolge in den Wendungen? Es
gibt
keine allgemein gültige, absolut richtige Schrittfolge, die eine saubere
Wendung garantiert. Jeder soll sie so machen, wie sie ihm liegt.
Aber, und das ist absolut wichtig, er soll sie immer gleich machen. Der
ganze Ablauf
muss so lange geübt werden, bis er automatisiert, ohne
nachzudenken, ohne zu zögern
abgespult werden kann. Wer das ohne Hund nicht fertig bringt,
schafft es mit Hund garantiert nicht. Wer irgendwie über den Platz
stolpert, einmal so, und dann anders die Wendung einleitet, ist für
seinen Hund keine Stütze. Er führt seinen
Hund nicht und gibt ihm die Chance
des Voraussehens nicht.
Ich selber leite alle Wendungen, außer das Links um, mit dem rechten
Bein ein. Geht das rechte Bein nach vorne, geht die linke Schulter mit.
Dreht das rechte Bein, drehen die linke Schulter und damit der Oberkörper
harmonisch in die Wendung. Der Hund orientiert sich am Oberkörper
und macht die Bewegung mit. Für mich stimmt dieser Bewegungsablauf,
es ist mein System, es passt mir. Ich kann mich problemlos an
mein Schema halten.
Aber: Jeder soll sein eigenes Schema finden. Noch einige Gedanken zum
Angehen und Anhalten. Beim Angehen bewege ich zuerst das linke Bein.
Damit erhält der Hund die Gelegenheit, sich zu erheben und dann
sofort mitzukommen. Gemäß
Prüfungsordnung soll er mit der Schulter
auf Kniehöhe des Hundeführers sein.
Starte ich wie beschrieben, sieht
der Anfang optisch besser aus.
Hält man nun auf dem rechten Bein an und zieht das linke nach
oder
umgekehrt? Ich habe schon die tollsten
Dispute darüber gehört. Nimmt
der Hund die Grundstellung
perfekt ein, sitzt er mit der Schulter auf Kniehöhe des
Hundeführers, so ist es doch völlig egal, auf welchem
Bein der Hundeführer anhält und
welches er nachzieht. Der Erfolg ist wichtig.
Ich persönlich halte auf dem rechten Bein an und ziehe das
linke nach. Mir scheint es, dass die
linke Körperhälfte dem Hund besser
zur Orientierung dient. Halte ich auf dem rechten Bein an und ziehe
das linke unmerklich langsamer an, spürt das der Hund
unmittelbar. Das sind natürlich meine Überlegungen, meinen Hund konnte
ich zu seinem Empfinden der Situation
leider noch nicht befragen. Beim Übungsteil Einen Schritt nach vorne,
auf der dritten Ebene, habe ich den kurzen Schritt nach vorne mit dem
rechten Bein begonnen. Ich wollte aus erwähnten Gründen nicht, dass mein
Hund vollständig aufsteht,
also waren zwei Schritte und das Anhalten auf dem linken Bein
nicht drin.
Der Hund lernt von Anfang an diesen Bewegungsablauf,
wieso soll ich das später ändern?
Halte ich später nach einigen Schritten auf dem rechten Bein an, sind in diesem Moment die linke Schulter
und der linke Arm vorne. Beim Anziehen des linken Beines geht der
Arm völlig harmonisch nach hinten.
In der Aufbauphase des Folgen frei habe ich damit die
Möglichkeit, ganz elegant und dem Bewegungsablauf entsprechend, dem Hund
mit der linken Hand eine Hilfe für
das Sitzen zu geben. Ich halte also aus rein ausbildungstechnischen
Gründen, die sich aus dem Aufbau ergeben, auf dem rechten Bein an
und ziehe das linke nach, nicht aus
irgendwelchen tieferen, psychologischen
Überlegungen.

Die vierte Trainingsebene
Das
Setzen, Legen ist eine einfache Übung. Es verleitet, sehr früh
damit anzufangen. Nur hat der
Hundeführer dann noch keine Ahnung
vom Abbau der Motivationshilfen und das Team ist noch nicht eingespielt.
Daher ist es besser, das Erlernen dieses Arbeitsschrittes auf später
zu verschieben. Für die Freifolge und das Apportieren wird
man genug Zeit brauchen. Sind
auch diese Übungsziele erreicht, steht der
Weg für die erste Prüfung offen.
Alle anderen Arbeitsschritte der Unterordnung
können jetzt problemlos erarbeitet werden. Die solide Grundlage
dafür konnte ohne Überforderung des Hundeführers gelernt werden
und damit bleibt die Arbeitsfreude des Hundes erhalten.

Freifolge, die ersten Schritte
Alle Vorübungen für die Freifolge sind auf der
dritten Ebene erarbeitet
worden. Jetzt, auf der vierten Ebene, kann sich der Hundeführer
der Freifolge
selber zuwenden. Jetzt wird nicht mehr das Nachrutschen
von Schritt zu Schritt vom Hund verlangt, nun soll er dem Hundeführer
folgen. Um dieses verwirrend Neue nicht in Überforderung ausarten zu
lassen, begnüge ich mich am Anfang mit drei Schritten.
Kaum ist der Hund aufgestanden und mir gefolgt, halte ich an und bringe
ihn in die Grundstellung. Es ist die gleiche Bewegung der Hand, die
ich auf der dritten Ebene
gelernt habe, mit der ich den Hund zum Sitzen bringe.
Anschließend wird gespielt und dann beginnt das Ganze von vorne. Nach
wenigen Sequenzen lasse ich diese Übung für den ersten Tag bleiben, die
erste Bekanntschaft mit der Freifolge ist
gemacht.
Für jeden Hundeführer sind die ersten Schritte mit
seinem Hund eine aufregende Sache.
Langsam baue ich die Übung aus, von drei auf fünf
Schritte. Es besteht aber kein Grund,
wenn jetzt Dynamik in den Ablauf
kommt, den Oberkörper zu wenden und
zu beobachten, ob und wie der Hund folgt. Das ist Sache der
Trainingsgruppe. Der Hundeführer marschiert
seine ersten Schritte los, und zwar zügig. Zögerliche Bewegungen
lassen die Spannung beim Hund sofort sinken, nur Dynamik hält
ihn aufmerksam. Das gilt auch für später, der Bewegungsablauf des
Hundeführers soll energisch und zielgerichtet nach vorne sein. Daran
wird sich der Hund orientieren und seine in der
Grundstellung aufgebaute
Spannung problemlos halten.
Das Wichtigste, das auf der vierten Ebene in der
Freifolge erarbeitet
werden
muss, ist die Haltung der Arme und des Oberkörpers. Dafür gibt es kein
allgemein gültiges Rezept. Jeder Hundeführer muss für
sich
die richtige Haltung finden. Der eine wird die Arme hängen lassen,
der andere muss sie anwinkeln. Entscheidend ist. dass sich der
Hundeführer wohl fühlt und die Haltung für den Hund
stimmt. Er soll seinem Hundeführer mit der Schulter auf Höhe des Knies
folgen können,
die seitliche Distanz zum Hundeführer soll dabei nicht zu groß
sein. Wieder ist der Hundeführer ganz auf die Trainingsgruppe angewiesen.
Nur über die Beobachtung der Kollegen wird es für den Hundeführer
möglich, die für seinen Hund optimale Haltung einzunehmen.
Ist einmal eine Erfolg versprechende Haltung gefunden,
muss der
Hundeführer Konstanz und Spannung in seine Bewegung bringen.
Die Arme sollen immer gleich bewegt werden, die Spannung
soll bis
in die
Fingerspitzen gehen. Spannung und Konstanz der Bewegung
werden
für den Hund zum Anhaltspunkt, er wird seine Bewegung derjenigen
des Hundeführers anpassen. Ich kann nicht genug betonen,
dass
es die Haltung des Hundeführers, sein Tempo der Bewegung
sowie
seine ausgestrahlte Spannung sind, die den Hund die richtige
Stellung neben dem Hundeführer sowie einen angenehmen
Bewegungsablauf
finden lassen.
Daran ist auf der vierten Ebene zu arbeiten. Der
Hundeführer hat an sich zu arbeiten und nicht zu versuchen, durch Zug an
Lendenleinen oder Reißen am Halsband seinen Hund in eine Stellung zu
zwingen,
welche
diesem nicht zusagen kann.
Ein leicht schräges Laufen oder ein etwas zu großer
Abstand zum
Hundeführer sind am Anfang zu vernachlässigen. Das Gesamtbild ist
entscheidend, es soll Erfolg versprechend aussehen. An den Details
kann später gearbeitet werden, oder sie verlieren sich
mit zunehmender Routine von selbst.

Das Halten des
Apportiergegenstandes
Für mich ist das Apportieren eine der komplexesten
Arbeiten, die wir
unseren
Hunden beibringen. Wie viele Fehler gemacht werden können, sieht man am
besten bei Prüfungen. Wie oft kann man Retriever beobachten, denen das
in den Genen liegende Apportieren von den
Hundeführern
abgewöhnt wurde.
Das
Vorsitzen und wie ich dem Hund das Halten des Gegenstandes
beibringe, sind die entscheidenden Punkte für ein konfliktfrei
vorgeführtes Apportieren. Wie wird es normalerweise gemacht? Der
Hund wird hingesetzt, der Hundeführer
baut sich vor dem Hund auf, gibt oder drückt ihm den Gegenstand
in den Fang und wartet bis der Hund
ihn ruhig hält. Dabei starrt er den Hund an und wiederholt, dabei
immer nervöser werdend: »Ruhig
halten! Ruhig halten!« Ist der Hundeführer noch von der ganz
ungeschickten Sorte, wird er seinem Hund den
Fang zudrücken.
Und wie sieht das aus der Sicht des Hundes aus? Was im
Hund abläuft,
wenn wir
uns vor ihm aufbauen, kann man sich eigentlich denken. Dazu kommt noch,
dass der Chef so ein unförmiges Ding, den Apportiergegenstand,
hervornimmt, dann das
unverständliche Wort »Bring« ausspricht und zudem ganz offensichtlich
sehr gespannt bis aufgeregt ist. Das wäre schon Druck und Konflikt
genug zum Davonrennen, nein, jetzt wird das Ding in den Fang
gestopft und da gelassen. Der Hund hat keine Ahnung, was er damit
anfangen soll. Als
Übersprungshandlung beginnt er zu knautschen. Das gefällt dem
Chef nicht. Aber was diesem eigentlich gefällt, kann der Hund nicht
wissen. Dazu werden immer irgendwelche für
ihn unbekannte
Worte gesprochen, und der Chef wird immer nervöser. Weil der Hund
schließlich überhaupt nicht mehr weiß, was er eigentlich soll, kann er
nichts mehr aufnehmen. Dann kommt endlich das Ding aus
dem Fang und weil es so schön war,
wird die ganze Übung wiederholt. Von psychischem Gleichgewicht und
Wohlbefinden ist bei dieser Vorgehensweise
keine Rede.
Bevor der Hund nicht perfekt, konfliktfrei
und somit freudig vorsitzt, hat das Apportieren im
Ausbildungsprogramm nichts verloren. Für mich beginnt das Apportieren
mit dem Vorsitzen, also der Schlussstellung. Erst damit ist
die elementarste Voraussetzung für |